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Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Er geht – und bleibt

Kommentar: Seehofer macht’s wie Merkel

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Horst Seehofers Weigerung, vom Posten des Bundesinnenministers abzutreten, kommentiert Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Man mag sich lieber nicht vorstellen, was in Deutschland gerade los wäre, wenn das – auf straffällige junge Migranten gemünzte – Wort von den „gefährlichen Männerhorden“ am Wochenende nicht vom grünen Ministerpräsidenten Kretschmann ausgesprochen worden wäre. Sondern von Horst Seehofer. Der ist seit seinem Amtsantritt als Innenminister so etwas wie der Leibhaftige der Bundespolitik. Oder, wie Katrin Göring-Eckart, die Moral-Kommissarin der Ökopartei, es gestern ausdrückte: „ein Sicherheitsrisiko“. Fragt sich nur, was dann die Grünen sind. Und welche verbalen Steigerungsmöglichkeiten ihnen blieben, ihre Abscheu zu bekunden, falls Seehofer wirklich mal zu einer solch drastischen Formulierung griffe wie ihr erfolgreichster Politiker Winfried Kretschmann.

Alternativ-Innenminister momentan ohnehin nicht zur Hand

Die gute Nachricht für die Grünen ist: Geht es nach Seehofer, wird er ihnen als Feindbild noch eine Weile erhalten bleiben, jedenfalls solange die Groko hält. Hingegen können sie in der CSU ihre Freude übers Seehofers Beschluss mit sich selbst, sein Amt als Innenminister noch eine Weile fortzuführen, noch nicht so recht zeigen. Zur Beruhigung der Gemüter dürfte beitragen, dass ein passender Alternativ-Innenminister momentan ohnehin nicht zur Hand ist. Anderes gilt bekanntlich für den Parteivorsitz, der alsbald in der Person von Markus Söder mit dem Ministerpräsidentenamt wiedervereinigt wird.

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Horst Seehofer, der bedrängte, aber noch immer listenreichste Fuchs der CSU, hat seiner Partei einen Deal unterbreitet, der es in sich hat. Es ist exakt derselbe, den die Kanzlerin ihrer CDU vorschlägt. Er übernimmt mit dem Rücktritt vom Parteivorsitz seinen Teil der Verantwortung für die Wahlschlappe, will aber sein Regierungsamt behalten. Dies gilt, so darf vermutet werden, solange auch die Kanzlerin bleibt. Die neuen CSU-Machthaber dürften Mühe haben, den immer noch zahlreichen Seehofer-Anhängern unter ihren Wählern zu erklären, warum sie ihrem eigenen Chef  den gesichtswahrenden Rückzug verweigern sollten, den sie Angela Merkel ohne Murren zugestehen.

Sie erreichen den Autor unter Georg.Anastasiadis@merkur.de

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