Kommentar zu den Vorwahlen

Die USA wählen gegen das Establishment

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Man könnte die Vorwahlen in den USA ob ihres hohen Unterhaltungswerts amüsiert verfolgen. Allerdings sind wir Europäer gut beraten, uns nicht zu laut über Donald Trumps erste Niederlage zu freuen. Ein Kommentar von Mike Schier.

Es ist nur Iowa, die erste – keineswegs repräsentative – Station eines Vorwahlkampfes, der länger spannend bleiben dürfte als üblich. Und doch erzählt dieses kleine Ergebnis die große Geschichte über den Zustand der US-Politik: bei den Republikanern wie bei Demokraten. Es ist keine schöne Geschichte. Europa jedenfalls, das selbst damit ringt, in der Flüchtlingskrise kühlen Kopf zu bewahren, sollte sich nicht zu laut über die Niederlage von Donald Trump freuen. Denn alle Ergebnisse aus Iowa zeigen nur, wie ratlos und skeptisch die Amerikaner ihrer politischen Klasse inzwischen gegenüberstehen.

Man könnte dieses Rennen ob seines hohen Unterhaltungswerts amüsiert verfolgen. Tatsächlich muss es einen alarmieren, wenn der Sieger am Ende zur mächtigsten Person der Welt wird. Mit Trump und dem erzkonservativen Sieger Ted Cruz haben zwei Charaktere die Mehrheit der Republikaner erobert, die sich vom gängigen Politikverständnis verabschieden. Beide führen einen Kulturkampf für ein anderes Amerika. Beide wären als Präsident eine Katastrophe für eine kriselnde Welt. Europa muss auf Marco Rubio als lachenden Dritten hoffen, den einzigen, der für pragmatischen Konservativismus steht.

Und die Demokraten? Bernie Sanders, der einzige, der sich ernsthaft traute, gegen die scheinbar übermächtige Hillary Clinton anzutreten, spielt plötzlich auf Augenhöhe. Ein bekennender Sozialist! In den USA! Am Ende dürfte sich Clinton zwar durchsetzen – doch ihr Zittersieg ist nicht nur ein Denkzettel für ihren bislang wenig inspirierten Wahlkampf. Nein, auch bei den Demokraten zeigt die Anti-Establishment-Bewegung bereits Wirkung.

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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