Wahl in Mecklenburg-Vorpommern

Kommentar: Ein Albtraum für die Kanzlerin

München - In der Heimat der Kanzlerin haben sich Multikulti-Träume heute in Albträume verwandelt: für Grüne und Linke, die ein Drittel ihrer Wähler verloren. Noch mehr für die CDU. Am meisten aber für die Kanzlerin selbst. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

In der Heimat der Kanzlerin haben sich Multikulti-Träume heute in Albträume verwandelt: für Grüne und Linke, die ein Drittel ihrer Wähler verloren. Noch mehr für die CDU, die in einer ebenso historischen wie demütigenden Niederlage erstmals von den Rechtspopulisten geschlagen wurde. Am meisten aber für die Kanzlerin selbst.Denn es ist ihre ultraliberale Migrationspolitik, die die von Überfremdungsängsten geplagten Wähler in Massen in die Arme der AfD trieb. Merkel-Land ist abgebrannt.

Nach den Wahl-Katastrophen der CDU im Ländle und in Rheinland-Pfalz war das Kanzlerinnen-Lager noch kaltblütig genug, die Niederlagen in Siege umzudeuten und jede Kritik wegzumoderieren – schließlich hätten dort Ministerpräsidenten gesiegt, die Merkels Politik guthießen. Der Wähler-Aufstand an der Ostsee aber lässt sich nicht mehr weglächeln. Mit einem blauen Auge kam dort nur die SPD von Landesvater Erwin Sellering davon, der zuletzt scharf mit der Berliner Flüchtlingspolitik abgerechnet hatte und dafür mit einem Aufschwung auf den letzten Metern belohnt wurde. Gescheitert ist hingegen Merkels Hoffnung, die Unruhe im Land werde sich mit dem Rückgang der Flüchtlingszahlen schon legen. Das Gegenteil passiert: Der Ärger der Bürger über die Tür-auf-Politik entzündet sich an immer neuen Nachrichten – mal geht’s um Übergriffe im Freibad, mal um einen Kniefall vor Erdogan, mal um Terror im Zug, mal um Merkels stures Festhalten am Wir-schaffen-das-Mantra. Und wie bei einer Allergie, bei der die Beschwerden mit jedem neuen Auslöser zunehmen, werden die Abwehrreaktionen immer heftiger.

Die AfD, eine auch von ihren eigenen Wählern oft wenig geliebte Partei mit dubiosem Führungspersonal und überschaubarer Problemlösungskompetenz, wird davon so lange profitieren, wie Merkel keine harte Kurswende nach dem Vorbild Schwedens oder Österreichs verkündet – oder aus dem Amt scheidet. Für sie, die einst unumschränkte Herrscherin, ist der Weg zur vierten Kanzlerkandidatur mit dem gestrigen Triumph der Merkel-muss-weg-Partei AfD noch quälender geworden. Die CSU ist in Panik. Horst Seehofer wird den Teufel tun, sich vor Frühjahr 2017 zu Merkel zu bekennen – wenn überhaupt. Die Kanzlerin muss wissen, ob sie sich das antun will.

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