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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Kanzlerin macht gegen Schulz Boden gut

Kommentar: Wahlkampf auf Merkel-Art

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Keine Angriffe auf ihren Gegenkandidaten Martin Schulz, keine Angriffe auf Erdogan, business as usual: Angela Merkel verzichtet auf Wahlkampf - aber das sehr effektiv. Ihre Umfragewerte steigen wieder. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.  

Ist das SPD-Frühlingsmärchen etwa schon wieder vorbei? Dem bösen Erwachen der Schulz-Jünger bei der Saarland-Wahl folgt jetzt der – als Konsequenz daraus erwartbare – Umfrage-Dämpfer. Noch ist es für Prognosen aller Art zu früh, ganz besonders vor der NRW-Wahl am 14. Mai, die den Genossen viel Schub verleihen könnte. Aber es wäre für die SPD gefährlich, aus der auf den ersten Blick passiven Reaktion der Kanzlerin auf den Schulz-Hype zu folgern, die Amtsinhaberin sei müde oder ausgebrannt. Sie macht nur (Nicht-)Wahlkampf auf Merkel-Art. Und das sehr effektiv.

Still, aber beharrlich bastelt Merkel an der Korrektur ihrer Ausländerpolitik. Und je irrer die Erdogans, Putins und Trumps, je verrückter die Welt da draußen, desto mehr könnten die Wähler Merkels Politik der ruhigen Hand, die ihnen auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise als der Wirklichkeit merkwürdig entrückt erschien, wieder schätzen lernen. Das gilt ganz besonders in einer Zeit, in der manche Bundesbürger bereits Kriegsgefahren aufziehen sehen.

Ein wenig erinnert die Lage an das Frühjahr 2002. Damals war die oppositionelle Union der rot-grünen Regierung von Gerhard Schröder in den Umfragen weit enteilt  – bis dieser die Irakkriegskarte zog und die Wahl im Herbst gewann. Für die bedrängte Kanzlerin könnte das unberechenbare Regierungshandeln Donald Trumps heute das sein, was für Gerhard Schröder Bushs Irakkrieg war: das Signal ans Wahlvolk, sich in ungewisser Lage hinter dem erfahrenen Regierungschef zu scharen. Dazu muss Merkel keine Flügelschläge machen. Wer sich um seine Sicherheit sorgt, ist weniger empfänglich für Lockrufe nach mehr Gerechtigkeit und andere rot-rot-grüne Verheißungen.

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