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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Bertelsmann: Viele Muslime gut integriert

Kommentar: Warum Muslimen oft die Akzeptanz fehlt

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Ein neue Studie der Bertelsmann-Stiftung lobt die Erfolge bei der Integration  von Muslimen in Deutschland. Leider läuft es nicht immer gut. Daran, dass das Misstrauen wächst, trägt auch der Staat mit seiner oft laxen Haltung gegenüber Gefährdern eine Mitschuld, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Die Integration der in Deutschland lebenden Muslime klappt immer besser, sagt eine neue Statistik der Bertelsmann-Stiftung. Was nicht in der Studie steht ist, dass sich die Zahl gewaltbereiter Salafisten nach Angaben des Verfassungsschutzes hierzulande in wenigen Jahren auf 10 000 vervielfacht hat, ebenso die Zahl der islamistischen Gefährder. 700 von ihnen trauen die Behörden jederzeit einen Anschlag zu. Der Generalbundesanwalt sagt, dass die Sicherheitsapparate bei ihrer Überwachung inzwischen „die Grenzen der Leistungsfähigkeit“ erreicht hätten.

Die zwei sich auf den ersten Blick widersprechenden Befunde sind zwei Seiten derselben Medaille: Die große Mehrheit der bei uns lebenden Muslime sind rechtschaffene Menschen. Zwar gelingt es unserem früh selektierenden Bildungssystem nicht, sie in ausreichender Zahl für die komplexen Anforderungen einer hoch entwickelten Volkswirtschaft zu qualifizieren, doch wirkt der boomende Arbeitsmarkt wie ein Integrationsmotor, der manche Schwäche überdeckt. Daneben gibt es einen unverkennbaren Trend zur Radikalisierung einer Minderheit, die aber angesichts von mittlerweile 5 Millionen in Deutschland lebenden Muslimen zahlenmäßig nicht unbeträchtlich ist.

Nötig ist daher eine Doppelstrategie: Noch mehr Anstrengung zur Integration derjenigen, die dazu bereit sind – aber die volle Härte des Rechtsstaates gegen jene, die einen anderen Weg gehen. Nicht nur in Deutschland fehlte es am unbedingten Willen, einen mit Drogen dealenden und Terror-Fantasien anhängenden Islamisten wie den späteren Berlin-Attentäter rechtzeitig unschädlich zu machen. Auch die 15 Opfer des grausamen Anschlags von Barcelona wären noch am Leben, wenn sich nicht im Jahr 2015 ein Richter der Polizei in den Weg gestellt hätte, die den schon damals kriminellen Terror-Imam abschieben wollte. Von ihm, so die zynische Begründung des Richters, gehe keine „ausreichend schwere Gefahr für die öffentliche Ordnung“ aus. Das ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen, die um ihre Lieben trauern. Sondern ein Schlag gegen alle Bürger, die darauf vertrauen, dass der Staat ihren Schutz (mindestens)genauso ernst nimmt wie das Bleiberecht eines verurteilten marokkanischen Kriminellen. So schadet der Staat den friedliebenden Muslimen und trägt dazu bei, dass ihnen, wie die Bertelsmann-Studie zutreffend feststellt, die verdiente Akzeptanz ihrer Mitbürger oft versagt bleibt.

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