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MM-Redakteur Christian Deutschländer.

Die Union und ihre Kandidatin

Kommentar: Weltgewandt und doch kraftlos - Die zwei Merkels

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Merkel erscheint derzeit wie zwei Personen: Als Fels in der globalen Brandung und als kraftlose Parteivorsitzende. Das könnte auch an ihrem politischen Umfeld liegen, meint Politik-Redakteur Christian Deutschländer.

München erlebt zwei Merkels. Auf der Sicherheitskonferenz eine kluge, weltgewandte Außenpolitikerin, ein starkes Stabilitätsversprechen in unserer Welt der Unordnung. Und beim CSU-Versöhnungstreffen vor zwei Wochen eine kraftlose, freudlose CDU-Vorsitzende, geplagt von ihrem innenpolitischen Scherbenhaufen und der Kritik daran. Dieser krasse Widerspruch – und kein Herr Schulz – ist das größte Wahlkampfrisiko der Union.

Die doppelte Merkel ist kein Trugbild, sondern ein Abbild der Stimmung in erheblichen Teilen ihrer Wählerschaft. Der Wunsch ist da, sich in bewegten Zeiten auf eine erfahrene Regierungsmannschaft verlassen zu können; Leute, denen man auch bei Themen trauen kann, deren Komplexität man selbst nur in Ansätzen überblickt. (Dieses Urvertrauen wurde in der Flüchtlingskrise erschüttert.) Gleichzeitig will der Wähler Politiker, die mehr Visionen, Schwung und Biss einbringen.

Es ist zu früh, Merkel eine Niederlage zu prophezeien. Grobe außenpolitische Verwerfungen oder ein Terroranschlag im Inneren können bis Herbst die Stimmung komplett wenden – externe Schocks. Was die Union aber aus eigener Kraft tun kann: Merkel sollte ihr Umfeld hinterfragen und verändern. Tauber, Altmaier, de Maizière – die stehen für den Eindruck einer manchmal von der Realität im Land abgeschirmten Kanzlerin. Die CSU wäre derweil besser beraten, von einer Kandidatin in dieser lustlosen Form noch etwas Sicherheitsabstand zu halten. Auch in der CSU gärt es nämlich. Falls Seehofer Vorbehalte gegen Merkel als inexistent erklärt, führt das nicht dazu, dass sich die Basis ernst genommen fühlt.

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