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Anhänger des liberalen Emmanuel Macron.

Erster Wahlgang

Kommentar: Zeitenwende in Frankreich

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Frankreich hat gewählt. Das Ergebnis ist ein politisches Erdbeben, kommentiert Merkur-Politikchef Mike Schier.

Frankreich erlebt ein politisches Erdbeben. Es ist die Folge zweier Präsidentschaften, die die Franzosen bitter enttäuscht haben. Zunächst der konservative Nicolas Sarkozy, der sich im Amt wie ein kleiner Napoleon aufführte und in der eigenen Partei mit seinem Comebackversuch in diesem Frühjahr kläglich scheiterte. Ihm folgte François Hollande, der erst im Wahlkampf völlig unrealistische Versprechungen machte, das Land dann nicht voran brachte und sich schließlich noch eine Serie privater Peinlichkeiten leistete. Nicht einmal in der größten Terrorangst konnte er sein Land hinter sich vereinen.

Die Folge dieser beiden Präsidenten ist eine Stichwahl ohne die traditionellen Großparteien, die Frankreich über Jahrzehnte geprägt haben. Es bleiben Marine Le Pen, die in den Umfragen schon mal deutlich besser lag als in der Wahlnacht, und der Aufsteiger Emmanuel Macron. Dabei handelt es sich nicht mehr um ein Duell in der klassischen Links-Rechts-Kategorie. Nein, die Franzosen haben nun die Wahl zwischen einer radikalen Populistin und einem Anhänger der liberalen Weltordnung der Nachkriegszeit. Alle Meinungsforscher favorisieren den 39-jährigen Quereinsteiger. Doch Vorsicht scheint angebracht: Auch das Rennen zwischen Trump und Clinton schien anfangs eine klare Sache. Man will sich nicht ausmalen, was mit Europa geschieht, wenn Le Pen gewinnt.

Sollte Macron siegen, hätte er zunächst keine eigene Hausmacht in der Nationalversammlung, die erst im Juni gewählt wird. Auch danach muss er sich womöglich mit wechselnden Mehrheit behelfen. Das macht seine ohnehin gigantische Aufgabe noch schwieriger: Einerseits muss er den Politikverdrossenen die Hand reichen, gleichzeitig aber dringend notwendige Reformen im Land anstoßen. Schon jetzt ist klar: Ohne substanzielle Hilfe aus Berlin wird dies ein aussichtsloses Unterfangen.

Bilder: Die Wahlpartys von Macron und Le Pen

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