Redakteur Dr. Dirk Walter.

Von Verfasungspatrioten und Verfassungsfeinden

Kommentar zu 70 Jahre Bayerische Verfassung: Die Beste, die es gibt

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München - 70 Jahre, fast ein ganzes Menschenleben hat sie gehalten: Die Bayerische Verfassung. Dieses Instrument gegen den nationalistischen Wahn müssen wir unseren Kindern wieder nahe bringen, meint Redakteur Dirk Walter.

„Angesichts des Trümmerfeldes ... gibt sich das Bayerische Volk, eingedenk seiner mehr als tausendjährigen Geschichte, nachstehende demokratische Verfassung“ – dieser Satz, der heute leicht als pathetisch missverstanden werden kann, steht am Beginn der Bayerischen Verfassung. Es ist die beste, die es je gab und wohl auch geben kann. 70 Jahre lang, fast ein Lebensalter lang, hat das Werk gehalten. 

Im Rückblick erstaunt, wie präzise Bayerns Verfassungsväter, Typen (positiv gemeint) wie Hoegner, Hundhammer oder Dehler, gearbeitet haben – vor allem angesichts der Rasanz, in der die Verfassung geschrieben wurde. Weil auf Druck der Amerikaner keine Zeit blieb, den Text im Kleinklein zu zerreden, ist etwas von Dauer entstanden, auf das man stolz sein darf.

Wenn es einen neuen Feiertag bräuchte, der 1. Dezember, Bayerns Verfassungstag, könnte einer werden. Es wäre auch ein Symbol gegen Staatsverächter und Polemiker, die heute leichtfertig alles in Grund und Boden reden. Wer das Parlament, wer die verankerten demokratischen Prinzipien, wer das in der Verfassung festgeschriebene Bekenntnis zu einem geeinten Europa in nationalistischem Wahn zertrümmern will, der ist ein Verfassungsfeind. Leider ist eine breite Gegenbewegung nicht erkennbar. Die eine offizielle Feierstunde morgen im Nationaltheater ersetzt jedenfalls keine breite Bewusstseinsbildung. Vor allem die Schulen könnten ruhig etwas mehr tun, um die Inhalte der Verfassung zu vermitteln. Die Erziehung zum Verfassungspatrioten setzt Anstrengung voraus. Aber sie lohnt.

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