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Politik-Redakteur Werner Menner.

Assads Truppen vor dem Sieg

Kommentar zu Aleppo: Das Versagen des Westens

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München - Russland und Assad morden, vertreiben und zerstören weiter. Der Westen kann nur noch zusehen. Das grauenvolle Sterben in Aleppo ist eine Folge dieser abwartenden Politik, meint Politik-Redakteur Werner Menner.

Das Versagen der westlichen Allianz ist total. Die freie Welt schaut zu, wie Assads Truppen mit Russlands Hilfe Aleppo in Schutt und Asche legen. Sie schaut zu, wie eine mehrheitlich sunnitische Stadt auf Befehl des alawitischen Diktators ethnisch gesäubert und damit ein tödliches Signal gesetzt wird. Und sie schwieg, während Assad diejenigen, die seine Angriffe überlebt haben und flüchten konnten, erneut terrorisieren und als Regimegegner foltern ließ.

Man hat sich eingeredet, dass Russland das Assad-Regime an die Kandare nehmen würde, man hat verhandelt und gehofft. Und das Feld geräumt, während Assad und Putin Fakten schufen. Beide haben in Syrien alle roten Linien überschritten, weil die für das Chaos mitverantwortlichen USA sich aus der Verantwortung geschlichen haben. Diese hielten es wie so viele westliche Staaten und Regierungschefs (Kanzlerin Merkel ausgenommen): Funkstille, während Assad mit Hilfe der UN-Vetomacht Russland morden, vertreiben und zerstören ließ. Die UN haben sich in Syrien selbst ad absurdum geführt.

Und Putin kann sich (wieder einmal) die Hände reiben. Sein und Assads Erfolg stärkt den Einfluss Russlands im Orient; zugleich hat der Kremlchef Diktatoren und Gewaltherrschern bewiesen, dass er ein verlässlicher Partner ist. Sie werden es ihm danken. Europa und die USA haben den Kampf um den Orient so gut wie verloren. Auch deshalb, weil sie es zugelassen haben, dass Russland dort eine Stärke erreicht, die ein Eingreifen nahezu unmöglich macht. Das grauenvolle Sterben von Aleppo gehört zu den furchtbaren Folgen dieser Politik.

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