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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Die Kanzlerin will am Sonntag erklären, ob sie wieder antritt

Kommentar: Merkel, die vierte

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Macht sie‘s nochmal? Alles spricht dafür, dass Angela Merkel am Sonntagabend ihre vierte Kanzlerkandidatur erklärt. Die Regierungschefin hält sich für alternativlos. Aber dass er unersetzlich sei, dachte schon mal ein anderer Kanzler... 

Wenn bereits die Ankündigung einer Pressekonferenz von den Nachrichtenagenturen per Eilmeldung verbreitet wird, dann wartet die Nation auf Großes. Am Sonntagabend werden die Bundesbürger endlich erfahren, ob sich die Kanzlerin um weitere vier Jahre als Regierungschefin bewirbt – oder ob sie die Kommandobrücke verlässt. Da hierfür zuletzt jegliches Indiz fehlte, wäre alles andere als die Ankündigung ihrer vierten Kanzlerkandidatur eine Sensation. Nicht nur, weil Angela Merkel sich für alternativlos hält . Sondern weil sie es auch ist. Sie selbst hat diesen Umstand maßgeblich mit herbeigeführt. Für die Vorbereitung eines Wechsels ist die Zeit bis zur Bundestagswahl im September zu knapp. Und: Es gibt, was ein schreckliches Armutszeichen ist, neben der Kanzlerin keine starken Figuren mehr in der CDU. Die ebenso vergebliche wie peinliche Suche nach einem Bundespräsidenten-Kandidaten aus den eigenen Reihen hat der Republik die personelle Verarmung der Union auf erschütternde Weise vor Augen geführt.

Es geht nicht ohne sie, glauben die Kanzlerin und das sie tragende Establishment. US-Präsident Obama hat bei seinem Abschiedsbesuch die Denkrichtung vorgegeben: Er würde sie, wenn er könnte, als starke Führerin in schwerer Zeit wählen. Richtig ist, dass sich Europa seit der Wahl Donald Trumps als Hühnerstall präsentiert, der gerade Besuch vom Fuchs erhalten hat. In Italien droht der Regierung Renzi der Sturz (samt Aus für den Euro), in Frankreich greift Marine Le Pen nach der Macht. Wer außer Merkel wäre imstande, die immer stärker werdenden Fliehkräfte zu bändigen? Und wer außer ihr hätte die Kraft, das (von ihr selbst verursachte) Chaos in der Migrationspolitik zu ordnen? Das wird die Melodie sein, die CDU und CSU bis zur Wahl im September unablässig summen werden.

Ob das für ein halbwegs erträgliches Wahlresultat 2017 reicht, ist offen. Auch Helmut Kohl hielt sich einst für unersetzlich. Die tiefen Wunden, die die Kanzlerin dem Land mit ihrer Flüchtlingspolitik geschlagen hat, schwächen ihren Führungsanspruch im konservativen Lager nachhaltig. Merkels Schicksal ist nun aufs Engste mit jenem ihres Gegenspielers Trump verknüpft: Stürzt der die USA ins Chaos, wird in Deutschland die Sehnsucht nach Stabilität und Verlässlichkeit wachsen. Siegt in Amerika hingegen die Revolution gegen das Establishment, könnte es auch in Deutschland bald sehr unruhig werden.

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