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Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur. 

Unionsfraktion feuert Volker Kauder

Kommentar zu Kauders Abwahl: Ein Hauch von Abschied

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Deutet die parteiinterne Niederlage der Bundeskanzlerin auf eine „Merkel-Dämmerung“ hin? Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

München - Viel ist zuletzt geraunt worden von der heraufziehenden „Merkel-Dämmerung“. Doch immer wieder konnte die Kanzlerin ihre mächtigen Gegner und Kritiker in die Schranken weisen: Jens Spahn, indem sie ihn einband. Horst Seehofer, indem sie die Konfrontation suchte. Zum Einsturz brachte das System Merkel jetzt ausgerechnet ein Nobody namens Ralph Brinkhaus. Die Wahl des weithin unbekannten Unionsfinanzexperten zum neuen Fraktionschef zeigt, wie marode die Machtarchitektur geworden ist, auf die sich die Kanzlerin stützt – und wie übergroß der Überdruss mit ihr und ihrer Politik.

Brinkhaus ist, wenn man so will, das Kind, das in des Kaisers neuen Kleidern auf diesen zeigt und zum Entsetzen des Hofstaates ruft, der Kaiser sei ja nackt. 13 Jahre Merkel-Kanzlerschaft haben Deutschland gezeichnet: Zu viele Wähler, zu viele Parteifreunde und auch zu viel demokratische Kultur hat die Kanzlerin bei ihrem Weiter, immer weiter nach Mitte-Links am Wegesrand zurückgelassen. (Zu) viele schlossen sich den Demokratieverächtern von der AfD an. Jetzt will der verbliebene Rest der Truppe, wund gescheuert durch eine dem Volk nicht mehr vermittelbare Migrationspolitik und ein routiniertes Vorbeiregieren am Fühlen der Menschen (Diesel!), nicht mehr weiter. Mit Volker Kauder, Merkels treuem Knappen und Mehrheitsbeschaffer, fällt die wichtigste Stütze einer Regentin, deren Macht zuletzt nur noch auf den Schultern einer Handvoll Günstlinge ruhte, deren Stärke aber nicht mehr da wurzelt, wovon in der Demokratie alle Staatsgewalt auszugehen hat: dem Staatsvolk.

Angela Merkel wird daraus ihre Schlüsse zu ziehen haben. Nach dem „Fehler“ im Umgang mit dem Fall Maaßen hat sie gestern eine „Niederlage“ in ihrer Fraktion eingeräumt. Nur was daraus folgt, ließ sie noch offen. Alles im Merkel-Stil wegmoderieren? Das geht nicht mehr. Durch Berlin weht seit gestern ein Hauch von Abschied.

Georg Anastasiadis

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