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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

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„Libero“ Seehofer macht seine Partei kirre

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München - Seehofers Spiel ist immer dasselbe: die Partie offenhalten, den Gegner verwirren und die eigenen Leute auch. Doch diesmal könnte er sich verdribbelt haben.  

Was um Himmels Willen will Horst Seehofer? Mit jedem ahnungsvoll dahingeschlenzten Satz, mit jedem vermeintlich klärenden Zeitungsinterview ihres Chefs werden in der CSU die Fragezeichen größer. Bereitet er seinen eigenen Wechsel in die Berliner Politik vor – oder doch nur den seines Finanzministers Markus Söder? Will er die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin vom Kopf auf die Füße stellen – oder nur einen ungeliebten Nachfolger ausbooten?

Inmitten der größten Krise der Union, die für die CSU mit dem Verlust ihrer Alleinherrschaft enden könnte (und wahrscheinlich wird), leistet sich die bayerische Staatspartei eine geradezu irrwitzige Personaldebatte, bei der sich die Kontrahenten von frühmorgens bis spätabends auf offener Bühne beharken. Das ganze Theater macht es den Gegnern der CSU leicht, deren Kampf für eine andere Asylpolitik auf eine bayerische Provinzposse zu reduzieren, bei der es weniger um Flüchtlinge und Obergrenzen geht als um Nachfolgekämpfe und Schmutzeleien.

Dabei ist Seehofers Spiel ja immer dasselbe: die Partie offenhalten, den Gegner verwirren und die eigenen Leute auch. Doch diesmal könnte sich der selbst ernannte Libero verdribbelt haben. Seine nunmehr aktenkundige Ankündigung, 2017 eines seiner beiden Spitzenämter aufzugeben, macht ihn unberechenbarer, aber im Ergebnis jedenfalls nicht stärker. Es stimmt: Der 67-Jährige hat die Entscheidungshoheit darüber, welches Amt er abgibt. Aber alle anderen Entscheidungen werden danach nicht mehr von ihm getroffen, sondern von den Parteigremien. Gibt er auf dem Weg nach Berlin das Ministerpräsidentenamt auf, wird keine Macht der Welt Markus Söder davon abhalten, in der CSU-Fraktion nach dem Chefsessel in der Staatskanzlei zu greifen. Trennt sich Seehofer aber vom Parteivorsitz in der Absicht, seinen Innenminister Herrmann als CSU-Chef nach Berlin zu schicken, so muss er damit rechnen, dass sich Söder auf dem Parteitag in einer Kampfkandidatur um die Führung der Partei bewirbt.

Klar ist nur eins: Jede nicht einvernehmliche Lösung wird der CSU irreparablen Schaden zufügen. Die CSU geht, so oder so, in einen schweren Herbst. Auf dem Parteitag Anfang November wird sich Seehofer erklären müssen.

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