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Sieht auch weiterhin schwere Zeiten auf Donald Trump zukommen: Friedemann Diederichs ist als USA-Korrespondent nah dran am US-Präsidenten.

Kommentar zum US-Präsidenten

Gespräch mit Comey: Trumps gefährlicher Bluff

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Nun ist es raus: Donald Trump hat das Vier-Augen-Gespräch mit dem damaligen FBI-Chef James Comey nicht aufzeichnen lassen. Der wochenlange Bluff des Präsidenten könnte nach hinten losgehen.

Washington - 41 Tage lang ließ Donald Trump die Nation bewusst im Unklaren, ob es geheime Aufnahmen eines Gesprächs mit dem von ihm gefeuerten FBI-Chef James Comey im „Oval Office“ gibt. Das Kalkül des Präsidenten zielte wohl darauf ab, anfänglich Comey zu verunsichern, einzuschüchtern und auch öffentliche Zweifel an der Aufrichtigkeit des einst obersten Polizeichefs der USA zu wecken. Doch heute steht nicht nur fest, dass - so wie es Trump endlich eingeräumt hat - keine digitalen Aufzeichnungen des Weißen Hauses von dem brisanten Treffen existieren, bei dem Trump Comey gedrängt haben soll, die Russland-Ermittlungen zu beenden.

Trump stellt Unparteilichkeit von US-Sonderermittler in Frage

Fest steht auch, dass es der bisher größte und gefährlichste Bluff des Präsidenten war. Denn es war eben jene Anspielung Trumps, die den FBI-Direktor dann bewogen hatte, an die Öffentlichkeit zu treten. Und erst diese dramatische Fehlkalkulation Trumps führte letztlich zur Berufung eines Justiz-Sonderermittlers in der Russland-Affäre. Die ganze „Mitschnitte oder nicht“-Frage hatte teilweise skurrile Züge angenommen. Mitarbeiter des Präsidenten mussten zähneknirschend den drängelnden Medien immer wieder verkaufen, es werde wohl „bald“ eine Antwort geben.

Trump will keine armen Leute in der Regierung

Trump kontert auf Ultimatum

Trump selbst hatte, nachdem ein Kongress-Untersuchungsausschuss ein Ultimatum gesetzt hatte, auf einer Pressekonferenz kürzlich noch kokettiert, er werde sich dazu „in einem sehr kurzen Zeitraum“ äußern. Der Präsident habe sich bei diesen Spielchen wohl noch ganz als Reality-TV-Moderator gesehen, ätzte dazu jetzt die Washington Post.

In Washington und in Diskussionsrunden wie im Sender CNN wird nun auch die Frage gestellt, ob das Verhalten Trumps überhaupt eines Präsidenten würdig sei. Die Washington Post sprach am Freitag von einem „dubiosen“ Vorgehen Trumps, das seine juristischen und politischen Probleme noch vertieft habe und für die Hauptstadt eine „neue Realität“ geschaffen habe: sich immer wieder mit neuen fragwürdigen Behauptungen des Präsidenten auseinandersetzen zu müssen.

Darum trägt ein Mexikaner nun den Nachnamen „Trump“

Dass ihm das ganze Drama um die Comey-Gespräche am Ende massiv schaden könnte, scheint Trump zu ahnen. Denn Juristen weisen darauf hin, dass die als Drohung interpretierbaren Anspielungen des Präsidenten durchaus den Vorwurf einer Justizbehinderung verstärken könnten.

Friedemann Diederichs

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