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Merkur-Redakteur Til Huber.

Flüchtlingspakt mit der Türkei

Kommentar: Kleinlautes Europa

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München - Der türkische Präsident Erdogan versucht, Verunsicherung zu schüren, meint Merkur Redakteur Til Huber. Europa müsste ihm eigentliche aufzeigen, welches Risiko ein Zerwürfnis für sein Land hätte. 

Er poltert, er droht, er versucht, Verunsicherung zu schüren. Aber hat er die EU tatsächlich in der Hand? Angesichts der öffentlichen Drohgebärden des türkischen Präsidenten Erdogan ist es an der Zeit, diese Frage nüchtern zu beantworten. Womöglich trübt die fast schon hysterische Angst vor neuen Flüchtlingsbewegungen in Richtung EU ja die Sinne der europäischen Politik.

Nüchtern betrachtet hat sich die Lage in Europa seit dem vergangenen Jahr fundamental verändert. Die Zeiten von Flüchtlingstrecks, die von den ägäischen Inseln über eine Grenze nach der anderen nach Deutschland oder Schweden durchgewunken wurden, sind vorbei. Die Fluchtroute über den Balkan ist dicht. Und daran wird sich nach Lage der Dinge auch nichts ändern. Selbst wenn Erdogan also seine Grenzen öffnen sollte – die Anreize für Flüchtlinge, sich auf den gefährlichen Weg über das Meer zu machen, tendieren gegen Null.

Es wäre also an der Zeit, nicht immer nur über die Gefahren für die EU zu sprechen. Europa muss Erdogan aufzeigen, welches Risiko ein Zerwürfnis für sein eigenes Land bedeuten würde. Ruhig im Ton, klar in der Sache. Auch die Türkei hat viel zu verlieren. Wirtschaftlich, aber auch in puncto Sicherheit. Ob der türkische Präsident tatsächlich so irrational wäre, seine unmittelbare Nachbarschaft zu chaotisieren, ist mehr als fraglich. Jedenfalls muss er wissen, welchen Preis er dafür zahlen würde.

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