+
Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

ARD unterschlägt Freiburger Mord

Kommentar: Das fatale Schweigen der „Tagesschau“

  • schließen

In immer gewundeneren Worten versuchen die Verantwortlichen der „Tagesschau“ ihr Schweigen zum Mord an einer 19-jährigen Freiburgerin durch einen afghanischen Flüchtling zu rechtfertigen. Die hilflosen Versuche machen das Versagen vollends zum Skandal, findet unser Autor Georg Anastasiadis.  

Alle reden über den Fall der vergewaltigten und ermordeten Freiburger Studentin Maria L. – nur nicht die „Tagesschau“. Als die Polizei in dem Fall, der seit Wochen bundesweit Schlagzeilen macht, am Samstag einen 17-jährigen afghanischen Flüchtling als dringend verdächtigen Täter präsentierte, reagierten andere bundesweite Sender mit Liveübertragungen. Nur die Zuschauer der ARD blieben ahnungslos. Keine Zeile in den Abendnachrichten. Ein medienpolitischer Skandal? Es ist kaum möglich, die Frage anders als mit „ja“ zu beantworten.

Die seither von den Hamburger Verantwortlichen hektisch nachgeschobenen, reichlich konstruiert klingenden Erklärungen – der Fall sei nur von „regionaler Bedeutung“, der mutmaßliche Täter minderjährig und damit besonders schützenswert –, machen die Sache nur noch schlimmer. Entweder hat das angebliche Flaggschiff des deutschen Nachrichtenjournalismus die Brisanz der Meldung nicht erkannt. Dann sollte man die Redaktion noch mal auf die Journalistenschule schicken. Oder sie hat sie erkannt, aber aus politischer Korrektheit unterdrückt. Dann gehören die Verantwortlichen in hohem Bogen gefeuert.

So sollte sich keiner wundern, wenn jene Zulauf erhalten, die die ganze Medienbranche mit bösartigen und in ihrer Pauschalität ungerechten „Lügenpresse“-Vorwürfen überziehen. Ja: Der Mord von Freiburg wird, zum Schaden vieler Unbescholtener, die Flüchtlingsdebatte weiter anheizen. Einfach nicht darüber zu berichten ist aber der denkbar falscheste Beitrag zur Versachlichung. Zum Glück haben das, offenbar mit Ausnahme des Gebühren-Fernsehens, die allermeisten Medien seit den Vorkommnissen von Köln gelernt. Man wüsste gerne, was nach dem Eklat um Anne Wills Dauerwerbesendung für eine Burka-Dschihadistin der Rundfunkrat zur neuesten Fehlleistung aus dem Hause NDR zu sagen hat.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Merkels Sommerurlaub: Aktuelle Planung gibt Rätsel auf
Die Urlaubsplanung von Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt derzeit einige Rätsel auf. Reist ihr Mann Joachim Sauer etwa ohne sie nach Südtirol?
Merkels Sommerurlaub: Aktuelle Planung gibt Rätsel auf
Abschiebung von Sami A. hat parlamentarisches Nachspiel
Ging bei der Abschiebung des Islamisten Sami A. nach Tunesien alles mit rechten Dingen zu? Das will jetzt auch der Düsseldorfer Landtag klären. Grünen-Chef Habeck hat …
Abschiebung von Sami A. hat parlamentarisches Nachspiel
Trump geht nach Putin-Fiasko in die Offensive - mit Angriff auf „Ex-Superstar“ Angela Merkel
Nach Helsinki geht Donald Trump wieder in die Offensive - mit dem Thema Flüchtlingspolitik und einem seiner Lieblingsziele: Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Trump geht nach Putin-Fiasko in die Offensive - mit Angriff auf „Ex-Superstar“ Angela Merkel
Nach heftiger Kritik: Trump räumt erstmalig russische Einmischung in US-Wahl ein
Donald Trump und Wladimir Putin trafen sich am Montag zum mit großer Spannung erwarteten Gipfel in Helsinki. Wir berichten am Tag danach weiter über die Nachwehen des …
Nach heftiger Kritik: Trump räumt erstmalig russische Einmischung in US-Wahl ein

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.