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Mike Schier kommentiert.

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Kommentar zu Seehofers Medien-Schelte: Verantwortungslos

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Der Mob, der Lügenpresse brüllt, bekommt prominente Unterstützung: Horst Seehofer rügt das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Verantwortungslos, urteilt Mike Schier. Sein Kommentar. 

„Lügenpresse, Lügenpresse“ – so zieht der Mob inzwischen durch die Straßen, protestiert vor Redaktionsgebäuden und attackiert schon mal Journalisten. Jetzt bekommt er prominente Unterstützung: Horst Seehofer rügt das öffentlich-rechtliche Fernsehen „für Berichterstattung, die wenig mit der Realität zu tun hat“. Auf rechtsradikalen Webseiten brach am Freitagnachmittag sogleich Jubel aus. Jetzt sagt also auch eine Regierungspartei, was AfD und Pegida schon lange propagieren.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Niemand behauptet, Journalisten seien unfehlbar. Es gibt – wie überall – bessere und schlechtere, auch schwarze Schafe. Aber es gehört zu den Vorzügen der Meinungsfreiheit, dass sich Berichterstatter für ihre Arbeit rechtfertigen müssen. Berichtigungen sind die Folge, gelegentlich auch Entschuldigungen. Wenn Seehofer, dem in Moskau kein Wort der Kritik an russischer Propaganda über die Lippen kam, aber systematische Absicht suggeriert, rüttelt er an gesellschaftlichen Grundfesten. Das ist verantwortungslos.

Die klugen Väter der Bundesrepublik haben vor vielen Jahren ein Mittel gegen zu viel Eigenleben des öffentlichen Rundfunks ersonnen: Politiker, Verbände und Organisationen sitzen in den Räten. Leider fand Seehofer 2015 nur zwei Mal Zeit für den ZDF-Verwaltungsrat, die Anwesenheit von Markus Söder im Fernsehrat lag bei null Prozent. Vielleicht sollte der CSU-Chef, dessen einstiger Sprecher Berichterstattung über Herausforderer Christian Ude verhindern wollte, hier ansetzen, bevor er Interviews gibt.

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