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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Debatte um straffällige junge Migranten

Kommentar: Ernüchterung

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Der Berliner Angriff von sieben jungen Migranten auf einen Obdachlosen in Berlin schockiert die Republik. Die Integrationsbeauftragte reagiert darauf mit der Forderung nach mehr Förderung für Flüchtlinge. Das ist nicht verkehrt, findet Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Aber was ist mit denen, die sich trotz aller Angebote nicht integrieren lassen? 

Dieser Debattenbeitrag dürfte bei vielen Bürgern blutdrucksteigernd wirken: Als Reaktion auf die jüngst bekannt gewordenen Fälle von Straftaten durch Asylbewerber fordert die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, mehr Förderung für junge Flüchtlinge. In Anbetracht des enormen personellen und finanziellen Aufwands, den unser Staat gerade für diese Personengruppe schon jetzt betreibt, klingt der Satz provozierend. Falsch ist er dennoch nicht: Es ist ein Problem, wenn hormonell übersteuerte junge Männer monatelang in Asylbewerberunterkünften ausharren müssen, ohne die Möglichkeit, sich durch legale Jobs ein paar Euro zu verdienen und ihre Energie sinnvoll einzusetzen. Ohne die Chance, am gesellschaftlichen Leben in der neuen Heimat teilzunehmen. Das entschuldigt nichts, schon gar nicht den entsetzlichen Angriff einer Gruppe von sieben jungen Migranten auf einen Obdachlosen in Berlin. Aber es erklärt manches. Manche verdienen sich ihr Geld mit Drogenhandel. Und andere lassen ihren Frust – und ihre Gewalterfahrungen aus der Heimat – an Mitbürgern aus.

Eineinhalb Jahre nach Beginn des großen Flüchtlingstrecks ist Ernüchterung an die Stelle der Euphorie getreten. Auf beiden Seiten. Nicht wenige junge Flüchtlinge sind enttäuscht von ihrem Leben in Deutschland, dem Land, wo doch angeblich Milch und Honig fließen. Und viele Bundesbürger können nicht fassen, wie ihnen ihre Hilfsbereitschaft von manchen vergolten wird. Gefragt wären Konzepte – die eine mit sich selbst und ihren wachsenden Problemen beschäftigte Regierung aber nicht liefert. Sie hat das Thema Integration auf die vielen Ehrenamtlichen abgewälzt, die ihrerseits zunehmend frustriert sind.

Das soll nicht die vielen Erfolgsgeschichten überdecken, die es zum Glück auch gibt, von Menschen, die unsere Gesellschaft (und unseren Arbeitsmarkt) bereichern. Zur Wahrheit gehört aber auch: Selbst beim besten Willen und mit den großzügigsten Angeboten werden sich nicht alle integrieren lassen. Wer in Deutschland eine Karriere als Krimineller meint einschlagen zu müssen, dem muss der Staat mit konsequenter Härte begegnen – dort, wo es geht, Rückflugticket inklusive. Denn zum Fördern gehört immer auch, was die Integrationsbeauftragte gerne anderen überlässt: das Fordern.

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