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Merkur-Redakteur Christian Deutschländer

Düstere Bilanz des EU-Kommissionspräsidenten

Kommentar zu Junckers Scheiden: Der Nachlassverwalter

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München - Juncker präsentierte sich während seiner Amtszeit stets lustig, doch was bleibt ist düster: Jede Menge ungelöster Probleme und ein Haufen neue Sorgen, meint Merkur-Redakteur Christian Deutschländer in seinem Kommentar.

Von Jean-Claude Juncker werden, wenn die Geschichtsschreiber milde sind, mal fröhliche Bilder bleiben. Wie er in sehr aufgekratzter Stimmung Staatschefs klapst, küsst, sanft ohrfeigt, vor ihnen salutiert. Alles ganz lustig; die politische Bilanz des EU-Kommissionspräsidenten ist aber düsterer. Unter seiner Führung (das heißt: Mit-, nicht Alleinverantwortung) ist Europa in die größte Krise der vergangenen Jahrzehnte gerutscht. Der Luxemburger Leichtfuß hat weder das persönliche Format noch das Vertrauen des Kontinents, um stabile Wege aus dieser Krise zu finden. Deshalb ist seine Einsicht völlig richtig, über 2019 hinaus nicht mehr zu amtieren.

In der Flüchtlingskrise steht Juncker für eine taten- und machtlose, aber nach immer mehr Kompetenzen strebende EU-Kommission. Wo bleibt der versprochene Grenzschutz? Problem nicht gelöst. In der Griechenland-Krise belehrte Juncker die deutsche Politik schulmeisterlich, dass sie nicht über einen Euro-Austritt Athens zu reden habe. Problem auch nicht gelöst. Stattdessen türmen sich neue Sorgen: Der Brexit würde es nötig machen, das verbleibende Europa neu zu konstruieren, zu entschlacken und entbürokratisieren. Nur ein großer Wurf würde den Bürgern das Vertrauen in das Friedensprojekt EU zurückgeben und könnte den inneren Zerfallsprozess dieser Union stoppen. Um das zu schaffen, müsste Juncker mehr sein als der irgendwie drollige Nachlassverwalter einer einst großartigen Idee.

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