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MM-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Kanzlerkandidat macht CDU und CSU nervös

Kommentar: Die SPD mit Martin Schulz auf Droge

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Muss die Kanzlerin doch noch zittern? Die Aufholjagd der SPD in den Umfragen hat weniger mit Martin Schulz zu tun als mit dem Unbehagen vieler Wähler, mit ihrem Stimmzettel nichts bewegen zu können, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München - „Opposition gehört zu einer Demokratie dazu“, rief Angela Merkel in Ankara dem Autokraten Erdogan zu. Das war ein wahrer und wichtiger Satz, auch wenn er aus Merkels Mund ein wenig kurios klang. Just die über den Parteien schwebende Präsidialkanzlerin, die oppositionellen Widerstand seit nunmehr fast zwölf Jahren nur noch vom Hörensagen (und aus Bayern) kennt, beschwört den demokratischen Wettbewerb. Ob sie da die neuesten Umfragen aus der Heimat schon kannte?

Dort hat es zuletzt ein mittleres demoskopisches Wunder gegeben: Die alte Tante SPD rockt, als hätte sie ein bisschen zu viel Ecstasy erwischt. Dass es dazu nicht mehr brauchte als einen innenpolitisch bisher ziemlich konturlosen Kandidaten und dessen keck hinausposaunten Anspruch auf das Kanzleramt, verrät viel: über die überwundenen Depressionen der Genossen. Und den Überdruss zahlreicher Wähler mit einer Kanzlerin, die die Wahl 2013 noch mit dem simplen Satz „Sie kennen mich“ gewinnen konnte – dem freilich bald die Erkenntnis folgte, dass man sie so gut wohl doch nicht kannte.

Bis zum Herbst ist noch viel Zeit

Nun sollte man die jüngsten Zahlen, die dem SPD-Bewerber Martin Schulz erstmals einen Vorsprung in der Kanzler-Präferenz vor Merkel bescheinigen, nicht überbewerten. Bis zum Herbst ist noch viel Zeit. Und anders als in Großbritannien und den USA, wo selbst ernannte, teils milliardenschwere „Arbeiterführer“ die gebeutelte Mittelschicht mit den Versprechen eines Stopps von Zuwanderung und Lohndumping auf ihre Seite zogen, geht es in Deutschland ziemlich vielen Menschen noch ziemlich gut. Auch ist nicht zu erwarten, dass ausgerechnet Schulz auf der nationalen Klaviatur spielt oder die Union in der (vermutlich wahlentscheidenden) Sicherheitsfrage vor sich hertreibt. Aber das Erstarken der SPD ist ein klarer Hinweis darauf, dass es in Deutschland eine Sehnsucht nach Rückkehr zum demokratischen Normalzustand gibt, in dem Macht nur auf Zeit vergeben wird. Ein anderer Hinweis sind die Schalmeienklänge, die Merkel neuerdings wieder aus München vernimmt. Horst Seehofer hat, mal wieder, schneller als andere erspürt, dass sich der Wind dreht. Am Sonntag wird in der Bayern-Metropole Versöhnung gefeiert. Und Schulz ist der Friedensstifter.

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