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Mike Schier.

Kanzlerin tritt wieder an

Kommentar zu Merkel-Kandidatur: Auf Empfehlung Obamas

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Angela Merkel tritt wieder als Kanzlerkandidatin an. Merkur-Redakteur Mike Schier findet, dass sie den Zeitpunkt, um das zu verkünden, geschickt abgewartet hat.

Man stelle sich vor, Angela Merkel hätte am Sonntagabend statt ihrer erwarteten Kandidatur gesagt: „Ich will nicht mehr. Nach all diesen Verwerfungen ist es Zeit für ein frisches Gesicht.“ Die Bundeskanzlerin hätte ein ratloses Land hinterlassen. In der Union weit und breit niemand, der ihr Amt übernehmen könnte. In der SPD ein potenzieller Kandidat Gabriel, dem selbst die eigene Partei mäßig begeistert entgegenblickt, und ein anderer potenzieller Kandidat Schulz, der viel lieber in Brüssel bliebe.

Merkel hat den Zeitpunkt für ihre Kandidatur geschickt abgewartet: Eben hat der scheidende US-Präsident Obama quasi eine Wahlempfehlung hinterlassen, dann kamen wichtige europäische Staatschefs nach Berlin, allesamt von den Eruptionen in der westlichen Welt ziemlich zerzaust.

Merkel wirkt stabil

Selbst wenn Merkel, die den Zenit ihrer Macht längst überschritten zu haben scheint, jetzt mit ihrer Ankündigung keine Euphorie auslöst, so erschien sie in dieser Runde aller Untergangsrhetorik zum Trotz vergleichsweise stabil. Sie wird versuchen, diese Stabilität zum Programm zu erheben. Von der gescheiterten Flüchtlingskanzlerin zurück zur europäischen Anführerin (auch wenn sie diesen Eindruck am Sonntag zu zerstreuen versuchte).

Ob dies gelingt, wird auch von der CSU abhängen. Die kleine Schwester hat sich lange, sehr lange in die Person der Kanzlerin verbissen – auch als Merkel ihre Fehler in der Flüchtlingspolitik längst korrigiert hatte. Noch immer versucht die CSU, die Lager der Merkel-Unterstützer und Merkel-Kritiker in den eigenen Reihen gleichsam zu bedienen. Bald aber werden sich die Herren Seehofer und (vor allem) Söder entscheiden müssen. Ein Wahlkampf gegen die eigene Kandidatin war noch nie erfolgreich – vor allem, wenn man sie später wieder zur Kanzlerin wählt.

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