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Alexander Weber, Redakteur des Münchner Merkur

Zwei Drittel wollen sie nicht mehr

Kommentar zu Merkel-Umfrage: Die einsame Kanzlerin

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Die abstürzenden Beliebtheitswerte für Bundeskanzlerin Angela Merkel kommentiert Alexander Weber, Redakteur des Münchner Merkur.

„Es muss ein Ruck durch die CDU gehen“, würde der verstorbene Bundespräsident Herzog wohl sagen. In der Tat: Die lämmerhafte Schicksalsergebenheit, mit der die Christdemokraten den Aufstieg des SPD-Kanzlerkandidaten und den eigenen Abwärtstrend hinnehmen, erinnert in fataler Weise an die bleierne Schwere der letzten Monate Helmut Kohls, als die Union sich mit der Niederlage bereits abgefunden hatte, noch bevor der erste Stimmzettel in die Urne der Bundestagswahl 1998 fiel.

Zwei von drei Deutschen wollen die Frau, die bis zum Herbst 2015 als unangefochtene Regentin in Deutschland und Europa gepriesen wurde, nicht länger als Kanzlerin haben, ergab jetzt eine YouGov-Umfrage. Die Flüchtlingskrise hat aus der Gepriesenen eine Geschmähte gemacht. Nimmt man den alten Haudegen Wolfgang Schäuble einmal aus, stemmt sich jedoch niemand in der Adenauer-Partei so gegen den drohenden Machtverlust, wie es die dramatische Situation erfordern würde. Generalsekretär Tauber? Kämpferisch wie thematisch ein Totalausfall. CDU-Minister, die sich schützend um die einsame Kanzlerin scharen? Fehlanzeige. Hinzu kommt das Merkel-Schisma in der CSU. Mit halber Kraft wird die Union die Macht in Berlin nicht verteidigen können.

Sie erreichen den Autor unter Alexander.Weber@merkur.de

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