+
MM-Redakteur Christian Deutschländer.

Sachsens Regierungschef

Kommentar zu Tillich-Rücktritt: Alternativlos

  • schließen

Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) ist am Mittwoch zurückgetreten. Der 58-Jährige musste Konsequenzen ziehen. Ein Kommentar von Christian Deutschländer.

Wer das Epizentrum des politischen Bebens vom 24. September sucht: Es lag in Sachsen. Landesweit überholte die AfD die CDU, errang drei Direktmandate. Das war bitter in einer Region mit weit unterdurchschnittlichem Migrantenanteil, in einem Land, dessen Bewohner nicht wie die Bayern mit Anpacken und Zusammenhalten die reale Hauptlast der Flüchtlingspolitik getragen hatten. Eine CDU, die solch verheerende Ergebnisse einfährt, muss Konsequenzen ziehen. Der Rücktritt des Partei- und Regierungschefs Tillich ist alternativlos. Ein Weiter-so hätte im Sommer 2019 absehbar zum ersten AfD-Ministerpräsidenten Deutschlands geführt.

Sachsen erwartet nun ein Experiment, das die Republik bis eben nur in der Theorie diskutierte: Kann ein junger, kantiger, klarer rechts positionierter Regierungschef – in diesem Fall Tillichs Kandidat Kretschmer –, die Partei stabilisieren, Protestwähler zurückholen? Oder bräuchte es eine integrative, erfahrenere Persönlichkeit der Mitte? Tief im Wahlschock steckend, wählt die CDU die mutigere Variante. Vor Glorifizierung sei aber gewarnt: Auch Kretschmer verlor sein Direktmandat an die AfD.

Tillich ging kaum freiwillig

Tillich stürzt – wen reißt er mit? Zumindest wächst der Druck auf Merkel und Seehofer, Schlüsse zu ziehen. Nicht hinzuwerfen, aber zu erkennen, wann es Zeit wird, Fehler einzugestehen und Nachfolgen zu regeln. Tillich ging kaum freiwillig, die CDU ließ ihn fallen – Parteien sind brutal, wenn Wahltermine nahen. Doch dem Sachsen blieb noch die Chance, Wunscherben und Zeitachse selbst zu bestimmen. Das ist nicht selbstverständlich.

Sie erreichen den Autor unter Christian.Deutschlaender@merkur.de

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Trump streicht Pelosis Reise nach Belgien und Afghanistan
Washington (dpa) - Im Haushaltsstreit in den USA hat Präsident Donald Trump eine Reise der Top-Demokratin Nancy Pelosi gestrichen.
Trump streicht Pelosis Reise nach Belgien und Afghanistan
Brexit: May gegen zweite Volks-Abstimmung - So würden Briten jetzt entscheiden
Die Abstimmung über den Brexit-Deal endet im britischen Unterhaus mit einem „No“. May übersteht das Misstrauensvotum. Brüssel befürchtet große Störungen für Bürger. Der …
Brexit: May gegen zweite Volks-Abstimmung - So würden Briten jetzt entscheiden
Dubiose Partei-Gelder: AfD legt Namen von Spendern vor
Nach den dubiosen Spenden aus der Schweiz an die AfD hat die Partei der Bundestagsverwaltung die Namen von 14 EU-Bürgern vorgelegt, die hinter den Zuwendungen stehen …
Dubiose Partei-Gelder: AfD legt Namen von Spendern vor
Nach der verlorenen Brexit-Abstimmung - was passiert jetzt?
Das britische Unterhaus hat am Dienstag den Brexit-Deal mit der EU abgelehnt - nun droht ein chaotischer Austritt.
Nach der verlorenen Brexit-Abstimmung - was passiert jetzt?

Kommentare