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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Er will dritte Amtszeit als Ministerpräsident

Kommentar zu Seehofers Rückzug vom Rückzug

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Hört er als Ministerpräsident auf? Gibt er den Parteivorsitz auf? Jahrelang beflügelte Horst Seehofer solche Spekulationen. Wer darauf reingefallen ist, ist selber schuld. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis. 

Echte Freunde kann niemand trennen. Nach der Kanzlerin will jetzt also auch ihr Münchner Unionskollege Horst Seehofer noch eine Amtszeit dranhängen. Am 24. April wird er seine dritte Kandidatur als Ministerpräsident verkünden – wenn sein Doktor nicht vorher noch ein Veto einlegt. Merkels Chancen darauf sind aber ungefähr so groß wie die Wahrscheinlichkeit einer Niederlage ihres anderen guten Freundes Erdogan bei dessen Verfassungsreferendum eine Woche zuvor.

Weil sich ein Seehofer nicht halbieren lässt, scheint schon jetzt klar, wo das zweite Spitzenamt, der CSU-Parteivorsitz, bleibt: nirgendwo anders als bei ihm, in der Münchner Staatskanzlei. Und – entgegen früheren Lockrufen – doch nicht bei seinem Mann für Berlin, Joachim Herrmann. Seehofers staunende bayerische Untertanen erleben mithin den doppelten Rückzug vom Rückzug. Den schlüssig zu begründen, dürfte allerdings selbst einem ausgewiesenen Polit-Akrobaten wie Seehofer noch ein paar Verrenkungen abverlangen. Schließlich boten die bisherigen Fingerzeige des Bayern-Regenten wenig Interpretationsspielraum, wenigstens für die schlichteren Gemüter in der Partei: Der CSU-Chef sollte künftig am Berliner Kabinettstisch für Ordnung in der Flüchtlingspolitik sorgen. Basta.

Doch darum ist es schon seit Wochen verdächtig still geworden. Das hat einen schlichten Grund: Zu unwägbar erscheint dem Landesvater das Risiko, dass sein fränkischer Erzfeind Markus Söder dem designierten Berlin-Emissär Herrmann den Parteivorsitz vor der Nase wegschnappt – und danach auch Seehofers Abschied aus der Staatskanzlei etwas beschleunigt. Dann hätte sich der Fuchs aus Ingolstadt das ganze Theater um die angebliche Übergabe seiner Ämter gleich ganz schenken können. Denn viel wichtiger, als die arme Kanzlerin noch eine Weile zu piesacken, ist ihm, Söder noch ein paar Jahre als neuen weiß-blauen Machthaber zu verhindern. Der Plan könnte funktionieren – es sei denn, die Wähler mischen schon bei der Bundestagswahl am 24. September alle Karten neu für die CSU und ihren fintenreichen Chef.

Lesen Sie auch: Ilse Aigner sagt: Ja, Seehofer macht weiter!

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