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Georg Anastasiadis

Bayerns Test-Panne und die Balkan-Rückkehrer

Kommentar zu Söder und den Corona- Grenztests: Es ist Gefahr im Verzug

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Für die Schlampereien um die vertrödelten Corona-Tests heimkehrender Urlauber erntet Bayern viel Häme. Aber das wahre Problem ist ein viel größeres. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. 

In der Corona-Republik Deutschland ist es wie in der Schule: Wenn der Klassenstreber patzt, ist die Schadenfreude groß. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat andere lang genug mit seinen Belehrungen genervt. Das wird ihm jetzt, in einem Moment der Schwäche, heimgezahlt. Mitleid muss man nicht haben mit dem CSU-Chef. Etwas billig ist es trotzdem, wenn ausgerechnet diejenigen, die erst Söders Test-Befehl an der Grenze kritisierten, jetzt das Fehlen der Test-Ergebnisse bejammern. Der Skandal wird, auch wenn der Ministerpräsident seine überforderte Gesundheitsministerin feuert, mit dem Namen Söder verbunden bleiben. Aber: In Bayern werden Autofahrer immerhin, auf Söders Initiative, an den Grenzen getestet. Aus NRW war davon bisher nichts zu hören.

Richtig ist: Bundesregierung und Bundesländer haben es gemeinsam versäumt, eine Strategie für die Reisezeit zu entwickeln, so wie man schon im Frühjahr viel zu lange die  anrollende Pandemie übersah. Jetzt stellt Gesundheitsminister Spahn erschrocken fest, dass Tag für Tag hunderte Corona-Infizierte gerade aus dem Südosten – vom Balkan, aus der Türkei – nach Deutschland einreisen und das Virus breitflächig verteilen. Das zerstört alle noch so großen und schmerzhaften Anstrengungen, die Ausbreitung des Virus im Inland zu verhindern, und sei es mit Masken für Schüler. Gerade der Balkan droht zu einem Ischgl hoch drei zu werden – und wieder ist Bayern der Frontstaat im Kampf gegen die unsichtbare Gefahr. Es wäre besser, wenn Politiker rasch Antworten auf diese Herausforderung fänden, statt kübelweise Häme übereinander auszuschütten.

Da es lückenlose (und nicht nur stichprobenartige) Tests aller aus Risikogebieten einreisenden Autofahrer nicht geben kann, braucht es neue Strategien – zum Beispiel könnten Arbeitgeber und Schulen verpflichtet werden, ihre vom Balkan heimkehrenden Mitarbeiter und Kinder vorsorglich in Quarantäne zu schicken. Es ist Gefahr im Verzug. Jetzt sollte nicht gestritten, sondern gehandelt werden.

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