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MM - Kommentarfoto - MM-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Trump und die „fake news“

Kommentar: Im Krieg - Medien unter Beschuss

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Noch ist offen, wer den Meinungskampf in den USA gewinnt: Präsident Trump oder die von ihm geschmähten Medien, denen er vorwirft, Lügen zu verbreiten. Unser Kommentator Georg Anastasiadis meint: Der Präsident hat sich auf ein gefährliches Spiel eingelassen.

In letzter Zeit erreichen die Redaktion des Münchner Merkur Leseranfragen wie diese: „Wie kommt es, dass in deutschen Zeitungen so wenig über die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Frankreich steht?“ Die Antwort ist einfach: Weil es in Frankreich keine bürgerkriegsähnlichen Zustände gibt. Was es gab, war Randale in drei Pariser Vororten nach der Misshandlung eines jungen Schwarzen durch die Polizei, aber nichts, was in der Dimension an die Ausschreitungen von 2005 und 2007 in den Banlieus erinnert hätte. Ins Riesenhafte übersteigert finden sich Berichte über die „bürgerkriegsähnliche“ Lage in Frankreichs Migrantenvierteln hingegen auf ganz bestimmten Internetseiten – dort, wo es Mode geworden ist, die sogenannten „Mainstreammedien“ als Lügenpresse zu diffamieren, die Störendes aus dem deutschen Bundestagswahlkampf heraushalten wolle.

Keine Frage: Viele Medien haben sich angreifbar gemacht, weil sie, besonders in der Flüchtlingsdebatte, lange nicht dort hingesehen haben, wo es Probleme gab. Mit dem daraus resultierenden Vertrauensverlust müssen sie nun leben. Der Vorwurf allerdings, es gebe so etwas wie ein Kartell zur Unterdrückung der Wahrheit, widerspricht jeder Lebenserfahrung. Gerade ein pluraler und ausdifferenzierter Zeitungsmarkt wie der deutsche ist einem scharfen Wettbewerb unterworfen, der Journalisten letztlich zwingt, Realitäten zur Kenntnis zu nehmen – schon um keine Leser zu verlieren. Tatsächlich gefährlich wird es erfahrungsgemäß erst dann, wenn sich Regierungen selbst an die Spitze einer von ihnen kreierten „Volksbewegung“ gegen Justiz und freie Medien setzen. Ungarn, Polen, die Türkei und leider auch Trumps Amerika liefern dafür bedrückende aktuelle Beispiele.

Wer wie Donald Trump Richter „sogenannte Richter“ nennt und Medien pauschal der gezielten Lüge bezichtigt, gar davon spricht, er befinde sich im „Krieg“ mit der Presse, zielt auf das große Ganze: Er delegitimiert den demokratischen Rechtsstaat, um die Fesseln zu sprengen, die ihm die Gewaltenteilung anlegt. Manche Kritik an Trumps Politik mag heute überzogen sein. Aber sein Versuch, das Vertrauen der Bürger in Funktionsfähigkeit und Redlichkeit staatlicher Institutionen zu zerstören, ist unverzeihlich. Senator McCain hat Recht: So fangen Diktatoren an.

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