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Kommentar: Donalds Streiche

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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. © Klaus Haag

Wenn Donald Trump spricht, halten Amerika und die Welt den Atem an. Jetzt hat es Europa erwischt: Die EU mag der neue US-Präsident nicht leiden, und BMW droht der künftige Chef im Weißen Haus hohe Strafzölle an. Kein Grund in Panik zu verfallen, rät unser Autor Georg Anastasiadis.

Donald Trump hat Gefallen an seiner Rolle als Fuchs im Hühnerstall gefunden. Was sich seit seiner Wahl geändert hat, ist nur sein Jagdrevier: Es umfasst jetzt nicht mehr nur Amerika, sondern die ganze Welt. Wie weit er wirklich zu gehen bereit ist, bleibt aber weiter im Dunkeln. Nur einer wie Trump bringt es fertig, die Nato im selben Satz als „obsolet“ und „sehr wichtig“ zu bezeichnen und den freien Handel zu loben, um im gleichen Atemzug BMW Strafzölle von 35 Prozent anzudrohen.

Zugegeben: Das ist eine gute Show für seine Wähler. Aber in den internationalen Beziehungen, wo es auf Stetigkeit und Verlässlichkeit ankommt und nicht darauf, täglich „bing, bing, bing“ zu machen, richtet solcher Schabernack Schaden an. Vor allem für sein Land selbst: Nato und Freihandel waren Erfindungen der USA und die zentralen Hebel bei der Ausübung ihrer Rolle als Supermacht und bei der Anhäufung von Reichtum und globalem Einfluss. Ihre Abschaffung würde Amerika nicht „great again“ machen. Sondern kleiner und unbedeutender. Trumps Wähler müssen das nicht wissen – aber der Präsident sollte es. Schwer vorstellbar, dass die US-Institutionen, vor allem die beiden Kammern des Kongresses, es gleichgültig geschehen ließen, wenn Obamas Nachfolger tatsächlich an den Fundamenten amerikanischer Macht kratzt.

Vieles spricht deshalb dafür, dass Trump wie ein gewiefter Geschäftsmann blufft, um die Gegenseite zu beeindrucken und einen guten Deal für sich herauszuschlagen. Man sollte ihm seinen Spaß an seinen Streichen lassen und nicht bei jedem Tweet und jedem Interview gleich in Schnappatmung verfallen; nicht alles, auch das erklärt manche nervöse Berliner und Brüsseler Reaktion, lässt sich im übrigen so leicht als Verrücktheit abtun wie Trumps Drohung gegen BMW. In der Flüchtlingspolitik und der Terrorabwehr gibt Europa in der Tat kein gutes Bild ab. Auf anderen Feldern muss Europa seine Interessen bündeln und selbstbewusst verteidigen. Das dazu nötige Vehikel gibt es bereits: die Europäische Union. Sie muss sich nur endlich auf ihre Kernaufgaben besinnen: Diese bestanden, anders als von Trump behauptet, niemals darin, Amerika den Handelskampf anzusagen. Aber gerüstet zu sein, wenn andere Europa ihre Regeln aufzwingen wollen.

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