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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Trump und Europas Rechte

Kommentar: Die falsche Antwort auf Trump

Die richtige Antwort auf Trumps „America first“ ist ein besseres Europa - und nicht dessen Abschaffung, meint unser Autor Georg Anastasiadis. Dass AfD-Chefin Frauke Petry in Koblenz von einer „Knechtschaft“ durch die EU spricht und diese in eine Reihe mit Nazi-Herrschaft und Sowjetbesetzung stellt, sei verräterisch. 

Es hat Jahre des Blutvergießens und viele Millionen Tote gebraucht, um in Europa die Nachkriegsordnung aufzubauen, in der wir seit 70 Jahren leben. Um sie einzureißen, reichten Donald Trump 16 Minuten. Nach seiner Antrittsrede, die in Wahrheit ein Manifest des „America first“, des Nationalismus und Neo-Isolationismus war, sollten sich die Europäer keinen Illusionen hingeben: „Den“ Westen mit dem All-inclusive-Schutzversprechen der „pax americana“ gibt es nicht mehr. Für Europa ist es Zeit, die Spielereien sein zu lassen und erwachsen zu werden.

Unter ihrem auftrumpfenden Präsident Trump werden die in Wahrheit tief verunsicherten USA ein bisschen wie China und Russland: egoistisch und auf sich selbst bezogen. Die neue Weltordnung, die eher eine Unordnung sein wird, folgt dem Prinzip „jeder für sich“. Europas frohlockende Rechte, die sich am Wochenende in Koblenz versammelte, hat darauf eine Antwort zu geben versucht. Aber es war genau die falsche: Die Zukunft unseres Kontinents liegt gerade nicht in der Abwicklung der Europäischen Union – sondern in ihrer Revitalisierung. In einer tripolaren Welt, in der Washington, Moskau und Peking die Kommandos geben, würde andernfalls selbst der stolze „Exportweltmeister“ Deutschland bald nur noch ein Spielball anderer sein, wenn er sich nicht enger mit seinen Nachbarn zusammentut und gemeinsam mit ihnen seine Interessen vertritt.

Die Selbstbezogenheit unter der Brüsseler Glocke, die Hinterzimmerpolitik, die Fokussierung auf oft Nebensächliches: Es gibt vieles an der EU zu kritisieren. Aber der in Koblenz von AfD-Chefin Frauke Petry geäußerte Wunsch, Europa werde, „so Gott will“, nach Napoleon, Hitler-Regime und Sowjetbesetzung auch die „Knechtschaft“ der Europäischen Union abstreifen, ist in dieser Aufzählung und Wortwahl nicht nur niederträchtig, sondern auf absurde Weise geschichtsvergessen. Richtig ist das Gegenteil: Wenn ein vereinigtes Europa das Vertrauen seiner Völker wiederfindet, indem es Verteidigung, Grenzschutz und Migrationskrise anpackt, findet es zu der Stärke zurück, die es braucht, um mit Trump einen „Deal“ abzuschließen.

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