Nach Austritt von Günther Felbinger

Kommentar zu Verfehlungen bei den Freien Wählern: Geplatzte Träume

  • schließen

Die Freien Wähler wollen ideale Politiker sein: Ohne Intrigen, ohne Fehler. Das gelingt nicht - und Hubert Aiwanger hat daran mit schuld. Merkur-Redakteur Sebastian Dorn kommentiert.

Die Freien Wähler sind mit einem Traum gestartet. Als sie 2008 in den Landtag einzogen, wollten sie ganz anders sein als die etablierten Parteien: Sie wollten nichts wissen von Amigo-Klüngeleien, von Lobbyisten und parteipolitischen Intrigen. Sie wollten das Menschliche, das Ehrliche in die Landespolitik bringen. Eines haben sie dabei vergessen: Auch Idealisten haben Makel. Wie jeder andere Politiker. Wie jeder Mensch. Es war eine Frage der Zeit, dass auch Abgeordnete der Freien Wähler mit Verfehlungen auffallen: Bernhard Pohl zum Beispiel, wegen Trunkenheitsfahrten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Und jetzt Günther Felbinger, angeklagt, weil er den Landtag betrogen haben soll.

Fraktionschef Hubert Aiwanger hasst es, wenn es in der öffentlichen Debatte um seine Leute geht und nicht um Sachpolitik. Daran ist er aber mit schuld. Er hat Günther Felbinger viel zu lange gestützt, der erst gestern nach massivem Druck einiger seiner Kollegen aus der Fraktion austrat. Aus rechtlicher Sicht war Aiwangers Treue völlig in Ordnung – es gilt die Unschuldsvermutung. Aber war sie aus politisch-moralischer Sicht richtig? Aiwanger hat es versäumt, im Interesse der Außenwirkung der Freien Wähler und aller Parlamentarier durchzugreifen und die Affäre zu beenden, bevor sie richtig begonnen hatte. Jetzt haben alle den Schaden.

Rubriklistenbild: © Lippert

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

AfD profitiert am stärksten vom Jamaika-Aus
Mehr als ein Drittel der Deutschen glaubt, dass die rechtspopulistische Partei aus dem Abbruch der Verhandlungen zwischen Union, FDP und Grünen den größten Nutzen zieht.
AfD profitiert am stärksten vom Jamaika-Aus
NRW-FDP wählt neuen Landeschef als Lindner-Nachfolger
Keine Regierungspartei, sondern im Bundestag hinter der AfD nur zweitstärkste Oppositionskraft: Die mitgliederstarke nordrhein-westfälische FDP diskutiert heute über die …
NRW-FDP wählt neuen Landeschef als Lindner-Nachfolger
Grüne treffen sich nach Jamaika-Aus zur Aussprache
Jamaika aufarbeiten - das steht heute beim Grünen-Parteitag auf dem Programm. Ursprünglich hätten die Delegierten über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen …
Grüne treffen sich nach Jamaika-Aus zur Aussprache
Bewerberzahlen für freiwilligen Wehrdienst brechen ein
Rekruten dringend gesucht! Sechs Jahre nach Aussetzung der Wehrpflicht melden sich immer weniger Bewerber zum freiwilligen Dienst bei der Truppe. Und mehr als jeder …
Bewerberzahlen für freiwilligen Wehrdienst brechen ein

Kommentare