Neues Kapitel der jüngeren Terrorismusgeschichte

Kommentar zum Anschlag auf BVB-Bus: Die Puzzleteile passen nicht

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Schon kurz nach der ersten Meldung über Explosionen am Mannschaftsbus des BVB kommentierten selbst ernannte Experten ihre Theorien. Dabei ist es so wichtig, die Ermittlungen abzuwarten. Ein Kommentar. 

In den anonymen Weiten des Internets wissen die selbst ernannten Experten schon wieder ganz genau, wer am Dienstag weshalb einen Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund unternommen hat, der noch viel schlimmer hätte ausgehen können. Tatsächlich gaben sich die Behörden – trotz zweier Tatverdächtiger – erstaunlich vorsichtig bei ihren Äußerungen zu einem islamistischen Tatmotiv. Zu viel passt einfach nicht zusammen: Islamisten suchen sich in der Regel keine Prominenten als Opfer, sie hinterlassen keine Bekennerschreiben am Tatort und erst recht erheben sie keine Forderungen, mit deren Erfüllung ihre Taten enden könnten. Bis diese Ungereimtheiten geklärt sind, sind alle gut beraten, den Fortgang der Ermittlungen abzuwarten.

So oder so: Anders als vergangene Woche mit dem bekannten Lkw-Muster in Stockholm beginnt mit den Explosionen von Dortmund-Höchsten ein neues Kapitel der jüngeren Terrorismusgeschichte. Kein Selbstmordattentäter, kein einfach gestrickter Radikaler mit Axt oder Auto, kein weiches Ziel – sondern ein hinterhältiger, erstaunlich professionell geplanter Anschlag auf Personen des öffentlichen Lebens. Wer auch immer dahinter steckt: Die Explosionen von Dortmund werden die Präventions-Arbeit der Behörden verändern. Dennoch gilt auch hier die so banale wie traurige Weisheit, dass es keinen 100-prozentigen Schutz geben kann.

Und trotz allem rollt nicht einmal 24 Stunden nach der Attacke schon wieder der Ball. Zu Recht? Nüchtern betrachtet ist dies nur dem dicht getakteten Zeitplan im Milliardengeschäft Fußball geschuldet. Von den jungen Multimillionären wird auch nach einem solchen Schock erwartet, dass sie funktionieren. Doch tatsächlich ist die trotzige Haltung von Dortmund ein Signal an jene, die unsere Gesellschaft spalten wollen. Die tollen Szenen einer neuen Fanfreundschaft von Dortmund und Monaco und die Solidaritätsbekundungen aus aller Welt zeigen, dass der freie, offene Westen stärker ist als seine engstirnigen Feinde.

Lesen Sie unseren Nachrichten-Ticker zu dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus und eine Chronologie der Ereignisse

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