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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Er will doch in München bleiben – vielleicht

Kommentar zu Seehofer: Alle Fragen offen

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Nix is fix  - nach Seehofers Auftritt im ZDF rätselt die CSU weiter über die Absichten ihres Chefs. Seine Pläne, nach Berlin zu wechseln, hat Seehofer anscheinend aber vorerst auf Eis gelegt. Eine Einigung mit der Kanzlerin rückt näher.

Horst Seehofer ist die Denise Biellmann der deutschen Politik: Seine Pirouetten sind atemberaubend – aber wer zu lange hinschaut, dem wird unweigerlich blümerant. Geht er jetzt nach Berlin – oder nicht? Unterstützt er Merkels vierte Kanzlerkandidatur – oder nicht? Kriegt die liebe Angela nun eine Einladung zum CSU-Parteitag – oder nicht? Gibt er den Parteivorsitz ab – oder nicht? Parteifreunde, die gestern erwartungsvoll die ZDF-Sendung „Was nun, Herr Seehofer?“ schauten, durften danach im Chor mit Bertold Brecht seufzen: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen/Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Manche von ihm selbst beförderte Spekulation hat Seehofer gestern wieder eingefangen, nicht ohne freilich gleich wieder das nächste Hintertürchen zu öffnen. Das Verwirrspiel des großen Vorsitzenden geht weiter, doch durcheinander ist vor allem die Seehofer-Partei selbst. Denn solange der CSU-Chef nicht weiß, was er sagen will, haben seine Parteifreunde keine Ahnung, was sie denken sollen. Entsprechend dissonant klingt das, was führende bayerische Politiker dieser Tage so von sich geben. Mal soll sich die Kanzlerin schleichen, mal bleiben. Mal soll Seehofer nach Berlin, mal Söder. Das Quatschiquatschi schwächt die Verhandlungsposition der kleinen Unionsschwester jeden Tag ein bisschen mehr. Keine gute Voraussetzung, um von der Kanzlerin noch ein paar Brosamen zugeworfen zu bekommen vor Seehofers großer Schlusspirouette. Die dürfte den CSU-Vorsitzenden zuletzt doch wieder in Merkels weit geöffnete Arme führen – es sei denn, der weißblaue Himmel stürzt vorher über Bayern und der CSU ein. Auch für die Diagnose seltener kosmischer Ereignisse wäre im Freistaat indes nur einer zuständig: Horst Seehofer.

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