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Christian Deutschländer.

Ausbau der Sicherheitswacht

Kommentar: Streife auf dünnem Eis

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Nachdem die Einbruchszahlen in den vergangenen Jahren gewaltig angestiegen sind und sich auch die Anzahl von Gewalttaten weiter häufen, denken viele Orte nun über eine Sicherheitswacht nach. Ein Kommentar von Christian Deutschländer.

München - Manch große Talkshowdemokraten reden gern von „gefühlten Ängsten“ der Bevölkerung. Als solle sich der Bürger mit seinen Sorgen um die Sicherheit bitte nicht so anstellen. Das ist Unfug. Die Bedenken sind real und begründet. Von 2008 bis 2016 wuchsen die Einbruchszahlen gewaltig an, Aufklärungsquote unter 20 Prozent. Gewaltkriminalität und Körperverletzungen stiegen in Bayern vergangenes Jahr um zehn Prozent. Spektakuläre Einzelfälle unterlassener Hilfeleistung legen zudem den Verdacht nahe, unsere Gesellschaft sei kühler geworden, teilnahmsloser, wegsehender. Viele Orte denken deshalb neu über eine Sicherheitswacht nach.

Die Präsenz von Aufmerksamen kann Straftaten im öffentlichen Raum verhindern und Einbruchsdelikte verlagern. Es wäre unfair, Sicherheitswachten pauschal als Möchtegern-Cops und Gschaftlhuber zu diskreditieren. Dennoch sind sie kein Wundermittel. Sie bestreifen dünnes Eis: Die Sicherheit zu gewährleisten, ist eine hoheitliche Aufgabe, ein Urzweck des Staates. Wo führt es langfristig hin, wenn die teure Kernaufgabe privatisiert wird? Werden auf den Schultern der oft am Limit arbeitenden Polizei noch mehr Aufgaben abgeladen, weil ja das Streifegehen dann die braven Ehrenamtlichen übernehmen?

Das ist eine sehr theoretische Debatte für Menschen, denen das Haus ausgeräumt wurde oder die in der Dämmerung nicht mehr im Stadtpark laufen wollen. Ihnen ist ein Stück weit geholfen, wenn seriöse, geschulte Ehrenamtliche die Augen offen halten, zumindest auf Zeit. Ein Grund für innenpolitischen Jubel ist der Ausbau der Sicherheitswachten aber nicht: Bayern steht langfristig nicht besser da, wenn es mehr private Streifen gibt. Sondern erst dann, wenn es weniger davon braucht.

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