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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

SPD-Kanzlerkandidat im Höhenflug, Höcke vor dem Absturz

Kommentar: AfD-Schreck Schulz

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Seit Jahren treibt die AfD die Union vor sich her, doch jetzt ist sie plötzlich selbst die Gejagte: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz räubert im Revier der „Alternative“. Immer mehr Wähler laufen über. Auch deshalb geht die AfD jetzt gegen ihren Rechtsaußen Björn Höcke vor, kommentiert Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. 

Seit es in Gestalt von Martin Schulz eine tatsächliche Kanzler-Alternative zu Angela Merkel gibt, geht es mit der selbst behaupteten „Alternative für Deutschland“ bergab. Ein Viertel ihrer Anhänger hat die AfD Umfragen zufolge zuletzt verloren. Sogar eine wachsende Zahl im Grunde konservativ denkender Wähler ist bereit, Schulz, den Linken ohne Programm und Eurobond-Fan, vorübergehend als kleineres Übel zu ertragen. Dem liegt ein simples Kalkül zugrunde: Jede Stimme für die AfD ärgert Merkel – aber nur eine Stimme für Schulz kann sie  auch stürzen. Und wer den Protest wählt, zielt auf den größtmöglichen Effekt.

Das zerstört den Nimbus der AfD als der „Merkel-muss-weg-Partei“ – erst recht, da sich ausgerechnet Schulz, der seit Jahren zum Kernestablishment gehört, den Wählern als Streiter wider das Establishment andient. Schäuble hat das messerscharf erkannt, als er Schulz jüngst einen Wahlkampf à la Trump vorhielt. Tatsächlich wandern bisherige Nicht- und Protestwähler derzeit massenhaft von der AfD zur SPD ab. Die „Alternative für Deutschland“ dagegen läuft Gefahr, zur Resterampe für die ganz Rechten zu werden. Mit seinen Entgleisungen zur angeblich „schändlichen“ deutschen Erinnerungskultur hat der thüringische Landesvorsitzende Björn Höcke den Exodus gemäßigter Wähler aus der AfD noch massiv verstärkt. Deshalb – und weil sie die Chance wittert, ihren Feind loszuwerden – holt Parteichefin Frauke Petry nun zum Schlag gegen ihn aus.

Jetzt sind die AfD-Schiedsgerichte am Zug. Sie haben Petrys Pläne schon öfter durchkreuzt. Kommt es wieder so und scheitert der vom Vorstand angestrengte Parteiausschluss Höckes, hat die Partei mitten im Bundestagswahlkampf ein richtiges Problem: Sie muss dann mit einem Mann antreten, dem die eigene Parteiführung vorwirft, mit seinen Bemerkungen „das Maß des demokratisch Erträglichen gesprengt“ zu haben. Käme es so, würde sich die AfD – nach dem Sturz Luckes – ein weiteres Mal häuten. Sie sähe dann einer anderen Partei verblüffend ähnlich, die vom Bundesverfassungsgericht nur deshalb nicht verboten wurde, weil sie politisch in der Bedeutungslosigkeit versunken ist. Martin Schulz wäre das vermutlich sehr recht.

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