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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. 

Großes Theater beim CSU-Parteitag

Kommentar: Ohne Merkel

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Das gab‘s noch nie: Die CSU feiert ihren Parteitag - und der Platz der Schwesterpartei CDU bleibt leer. Doch keine Sorge. Das Happy End in der Beziehungskrise der beiden zerstrittenen Unionsparteien rückt näher - die Frage ist nur, wer dafür welchen Preis zahlen muss. 

Mit der „lieben Angela“ hatten sie schon immer ihr Gfrett bei der CSU. Besonders turbulent war’s 2008. Da ließ die Kanzlerin – auf dem Höhepunkt des Streits um die Pendlerpauschale – ihr Geburtstagsgeschenk, eine Torte mit der hoffnungsvollen Marzipanaufschrift 50+X, einfach auf dem Parteitag stehen. Immerhin bescheinigte sie ihren Gastgebern Huber und Beckstein da noch einen „Rest an bürgerlicher Höflichkeit“. Als deren Nachfolger Seehofer dann im vergangenen Jahr minutenlang auf die auf offener Bühne zur Salzsäule erstarrte Kanzlerin einredete, war’s freilich auch damit vorbei. Doch selbst diesen Eklat überbieten die ebenso zänkischen wie findigen Schwestern heuer noch mal mühelos – mit einer Politik des leeren Stuhls. Fast wie weiland im kalten Krieg.

Angela Merkel darf nicht zum CSU-Parteitag kommen. Aber nicht, weil es im Wahljahr 2017 kein Happy End in der Beziehungskrise der C-Parteien geben wird. Sondern weil Horst Seehofer den Dissens noch eine Weile zelebrieren muss. Der CSU-Chef hat den Streit mit der Kanzlerin auf die Spitze getrieben, ohne letztlich über ein überzeugendes Druckmittel gegen sie zu verfügen. Ein solches wäre die glaubwürdige Androhung des Bruchs gewesen. Darauf aber wollte es der CSU-Chef nie ankommen lassen. Jetzt muss er zusehen, wie er seine erzürnten Wähler und die eigene Basis wieder von der Palme herunterbekommt, auf die er sie selbst getrieben hat. Deshalb gibt’s zwei Tage lang noch mal großes Theater auf dem Parteitag.

Die Aussichten sind trotzdem unerquicklich: Ihre im Vergleich zur CDU noch immer erstaunlich stabilen Umfragewerte verdankt die CSU Seehofers Folter-Strategie gegen Merkel. Sobald diese zugunsten eines neuen Schmusekurses aufgegeben wird – und als Preis dafür nicht die erhoffte Flüchtlings-Obergrenze für die CSU herausspringt – sind jene Wähler weg, die nicht bereit sind, der Kanzlerin ihre Fehler des Jahres 2015 zu verzeihen. Die Quittung könnte Seehofer und seine CSU in doppelter Form ereilen. Bei der Merkelwahl 2017. Und, schlimmer, bei der Bayernwahl ein Jahr später. Dagegen ist ein Parteitag ohne Merkel nur eine Fußnote im Zickenkrieg zweier unleidiger Schwestern.

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