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Kommentar zum historischen Wahlerfolg der Grünen: Kanzlerkandidat Habeck

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Von: Georg Anastasiadis

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Grünen-Chef Robert Habeck
Grünen-Chef Robert Habeck. © AFP / MICHELE TANTUSSI

Die Wahlerfolge der Grünen sind berauschend. Das stellt die Öko-Partei aber vor ein Problem. Denn die Grünen sind nicht so bürgerlich, wie sie gerne tun, meint Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Die Grünen, das war bis vorgestern Abend die hippe Partei der Jungen und der Städter. Vorlaut, idealistisch und so wie ihre Wähler gelegentlich ein wenig unerwachsen. Der historische Wahlerfolg vom Sonntag aber hat etwas mit der Partei gemacht: Sie ist jetzt die zweitstärkste Kraft im Lande. In der Demokratie heißt das: Die Grünen sind ab sofort die Reserve-Kanzlerpartei. Denn die Herrschaft des Volkes lebt von der Möglichkeit des Wechsels. Es wäre ein Albtraum, wenn die Wähler dauerhaft nur noch die von den CDU/CSU-Gremien vorbestimmte Frau (oder auch mal den Mann) zur Kanzlerin wählen könnten. So wie seit 2005.

Habeck wehrt sich, jetzt Spitzenkandidaten zu benennen

Trotzdem wehrt sich Grünen-Chef Robert Habeck mit Händen und

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Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur. © Klaus Haag

Füßen dagegen, dass seine Partei jetzt einen Spitzenkandidaten benennen soll: Die Grünen wollen die Macht, aber gleichzeitig weiter so tun, als wollten sie nur ein wenig mitspielen. Das ist schlau, aber unehrlich. Natürlich weiß Habeck, dass in dem Moment, in dem die Bürger die Grünen als mögliche Kanzlerpartei wahrnehmen, auch die an sie gerichteten Erwartungen wachsen: Einfach weiter so zu tun, als gebe es Klimarettung und ungezügelte Migration zum Nulltarif, geht dann nicht mehr. So bürgerlich, wie die Grünen gerne tun, sind sie nicht. Wer zur Lösung der Wohnungsmisere mit Enteignungen um die Ecke kommt, ist keine pragmatische Kraft der Mitte, sondern setzt dem Rechtspopulismus der AfD linkspopulistische Trugbilder entgegen. Die Buhrufe, die ein mögliches Jamaika-Bündnis am Wahlabend an der Bremer Grünen-Basis erntete, waren verräterisch.

Der grüne Aufstieg zur Macht ist berauschend. Aber nirgendwo ist das Gelände so steil und rutschig wie kurz vor dem Gipfel. Also da, wo die Grünen jetzt stehen. Die Partei muss schnell erwachsen werden. Oder umkehren.

Sie erreichen den Autor unter Georg.Anastasiadis@merkur.de

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