Chaos-Bilder aus Hamburg

Kommentar zum G20: Gipfelidee verloren - Zurück zu den Wurzeln!

  • Alexander Weber
    vonAlexander Weber
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Wer die Chaos-Bilder vom G20-Gipfel in Hamburg sieht, kann sich nur fassungslos und mit Grausen abwenden, findet unser Autor.

Wer die Chaos-Bilder rund um den G20-Mammut-Gipfel in Hamburg sieht, die zeigen, wie tausende eigens zu diesem Zweck angereiste Gewalttäter Teile einer Millionenmetropole in bürgerkriegsähnliche Schlachtfelder verwandeln, kann sich nur fassungslos und mit Grausen abwenden. Was ist aus der einst so überzeugenden Idee Helmut Schmidts und Valéry Giscard d’Estaings geworden, die 1975 im Schloss Rambouillet bei Paris sechs Staatsmänner großer Industrienationen zusammenführten, um ihre Gedanken über die Herausforderungen der Weltwirtschaftskrise auszutauschen? Das damalige Treffen der „Gruppe der Sechs“ gilt als Keimzelle der heutigen Gipfelformate G7 und G20 – doch welche Perversion des Schmidt/Giscard-Formats erleben wir heute!

Der rote Faden der Gipfelidee ist in einem Knäuel unterschiedlichster Interessen völlig verloren gegangen. Statt hintergründigem Meinungsaustausch am prasselnden Kaminfeuer ohne lästiges Protokoll wie einst, erleben wir heute die Bühnenshow einer Politinszenierung, bei der es fast ausschließlich um öffentliche Wirkung geht: Jeder Teilnehmer will als Gewinner dastehen, keiner das Gesicht verlieren, „Ergebnisse“ (die schon vor Beginn des Treffens so gut wie feststehen) reduzieren sich auf Formelkompromisse oder Dissens. Gipfel dieses Gipfel-Irrsinns: Ausgerechnet als das heftig umstrittene Thema „Klimapolitik“ behandelt wird, entzieht sich US-Präsident Trump rasch der kritischen Debatte und trifft sich lieber mit Russlands Präsident Putin zum bilateralen Tête-à-Tête. Die Rechnung für dieses Gipfelspektakel zahlen andere: die Steuerzahler mit Millionen Euro, die Anwohner des Tagungsortes mit hohem Sachschaden und tagelangem Ausnahmezustand sowie tausende Polizisten, die ihren Kopf hinhalten müssen.

Die Idee des persönlichen Gedankenaustausches ist in der globalisierten Welt richtig. Aber ihre Umsetzung muss radikal verschlankt werden. Zurück zu den Wurzeln!

Wir verfolgen die Ereignisse beim G20-Gipfel in Hamburg im Live-Ticker.

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