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Redakteur Dirk Walter.

Was Minister Spaenle vorzuwerfen ist

Kommentar zum G9-Aufstand: Redet, statt Briefe zu schreiben

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München - 14 Jahre nach seinem Start ist das G8, wenn nicht alles täuscht, ein Auslaufmodell. Redakteur Dirk Walter kommentiert den Aufstand gegen Spaenle und Seehofer. 

So etwas nennt man wohl Hauskrach: Der Fraktionschef und die CSU-Bildungspolitiker, bei denen die Bedenkenträger in der Mehrzahl sind, proben in der G9-Frage den Aufstand. Sie brüskieren sowohl ihren Schulminister als auch den Ministerpräsidenten. Beide wollen das G9, der eine sagt das offen, der andere, nun ja, sagt es nicht so offen. Was ein Fehler ist. Kultusminister Spaenle hat den Dingen zu lange freien Lauf gelassen und sich im Gestrüpp von Interessen und Gegeninteressen verheddert. Er wollte sich wohl so durchschlawinern, es jedem recht machen. Das funktioniert nicht. Ein Minister muss gelegentlich auch etwas riskieren, so wichtige Fragen wie die Zukunft des Gymnasiums auch mit seiner Person verbinden und sich nicht von Verbänden und der Fraktion endlos treiben lassen. Ein Minister hat ein Recht auf eine eigene Meinung. Wann, wenn nicht jetzt? Es gilt das alte Kant-Wort Sapere aude, habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.

Inhaltlich sind die CSU-Bremser schief gewickelt. Das G8 war seit seinem Start verkorkst und ist in 14 Jahren Diskussion etliche Male verschlimmbessert worden. Mag sein, dass die Verkürzung des Gymnasiums zu Stoibers Zeiten im Trend der Zeit lag – damals war ganz Deutschland von Abstiegsängsten ergriffen, eine Verschlankung an Haupt und Gliedern schien angesagt. Heute strotzt Deutschland vor Kraft – und es ist Zeit, sich auf Vermittlung von Bildung, von Werten zu besinnen. Ein Turbo-Gymnasium ist dafür der falsche Ansatz. 

Das G9 wird gewiss nicht schlechter als ein G8, wahrscheinlich aber besser. Das sollte Spaenle seinen Schulpolitikern sagen. Ja: sagen! Stattdessen wollen sie einander Briefe schreiben, was beinahe albern klingt. Was kommt als Nächstes? Ein diplomatischer Notenaustausch? Jedes G9-Argument, wirklich jedes, ist x-fach durchgekaut worden. Es ist nicht mehr notwendig, vor einer Grundsatz-Entscheidung jedes Detail zu diskutieren. Dafür ist Zeit genug nach dem Ja-Wort.

Es kommentierte Dirk Walter. 

G8 und kein Ende: 14 Jahre Diskussion

14 Jahre nach seinem Start ist das G8, wenn nicht alles täuscht, ein Auslaufmodell. 13 Abiturjahrgänge werden das G8 am Ende absolviert haben – die letzten wohl im Jahr 2023. Ein Blick zurück zeigt: Von Anfang an war die Schulzeitverkürzung umstritten.

Lesen Sie zwei Gastbeiträge zum Thema Schule sowie einen Brandbrief der bayerischen Schulleiter:

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