Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur., Kommentar.
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Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Erbitterter Streit um Impf-Fehlstart

Kommentar zum Impfstreit: Endspiel um das Kanzleramt

  • Georg Anastasiadis
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Immer heftiger tobt der Streit um den vermasselten Impfstart in Deutschland. Es geht um viele Leben. Darum, wie oft der Lockdown noch verlängert werden muss. Und darum, wer Deutschland künftig regiert. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Wer trägt wie viel Schuld am verstolperten Impfstart in Deutschland? Hat nur die schwerfällige EU-Bürokratie die Fehlentscheidungen bei der Impfstoffbestellung getroffen? Hat Gesundheitsminister Jens Spahn nicht aufgepasst? Oder stimmen Berichte, wonach die Kanzlerin ihrem Minister in den Arm fiel, als dieser auf eigene Faust Impfstoff ordern wollte – weil Merkel als EU-Ratspräsidentin keinen deutschen „Impf-Nationalismus“ wollte?

Es geht nicht um „nachträgliche Besserwisserei“, wie NRW-Ministerpräsident Laschet Kritiker abbürstet. Es geht darum, wer die Verantwortung trägt für den vermeidbaren Corona-Tod vieler Bundesbürger. Und für einen Lockdown, der nun unnötig lange aufrechterhalten werden muss, weil zu wenige Menschen geimpft werden können.

Am Ende geht es, auch das erklärt die Härte und Erbittertheit dieser Debatte, um die Macht in Deutschland: In elf Tagen wählt die CDU ihren neuen Chef. In Berlin werden Wetten darauf abgeschlossen, dass der im Wahlvolk unpopuläre Armin Laschet, falls er gegen Norbert Röttgen und Friedrich Merz siegt, seinem Tandem-Partner Jens Spahn die Kanzlerkandidatur überlassen will. Ein Gesundheitsminister aber, der mit dem Makel des „Impfversagers“ in die Wahl ziehen müsste, hat schlechte Karten.

In Berlin hat das Endspiel um das Kanzleramt begonnen. Im Impfstreit bekriegen sich SPD und CDU, das Duo Laschet/Spahn steht gegen Merz. Und ein zweites Mal stehen sich, wie schon im Asylstreit, Merkel und Spahn als Gegner gegenüber: Wer von beiden trägt Schuld am Impf-Debakel? Um einen starken Abgang geht es für die Kanzlerin. Und für Spahn um die Chance, ihr Erbe anzutreten.

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