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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Deutschland vor unruhigem Jahreswechsel

Kommentar: Mach‘s besser, 2017!

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Was bringt uns nach dem „annus horribilis“ 2016 das neue Jahr? Bei allen unberechenbaren weltweiten Krisen haben wir das ein Stück weit auch selbst in der Hand, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Egal wie schwierig die Zeit auch gewesen sein mag – irgendwann werden wir uns wehmütig daran zurückerinnern und finden, dass das die „guten alten Tage“ gewesen sind: Ob wir, was Barbara Streisand in ihrem Lied „The way we were“ besingt, wohl eines Tages rückblickend auch über das Jahr 2016 sagen werden? 2016 – das Jahr, in dem Aleppo die Apokalypse erlebte. In dem sich Millionen Menschen auf die Flucht vor Krieg und Gewalt machten. In dem der Terror nach Deutschland kam. Das Jahr, in dem eine tiefe Spaltung der westlichen Gesellschaften sichtbar wurde. In dem die Ikonen unserer Jugend und der unbeschwerten 80er Jahre starben: Prince, David Bowie, George Michael.

Es fällt schwer, in 2016 etwas anderes zu sehen als ein „annus horribilis“. Und doch ist es den meisten Deutschen, sofern sie von Krankheit verschont blieben, nicht schlecht ergangen. Mit einer immer noch boomenden Wirtschaft und einem alles in allem funktionierenden Gemeinwesen leben wir trotz allem, was uns an Fehlentwicklungen besorgt, in einem Staat, der für die meisten Menschen auf der Welt ein Sehnsuchtsort ist.

Krisen näher herangerückt

Doch die Krisen sind, keine Frage, näher an uns herangerückt. Und es besteht die Gefahr, dass sie das 2017 mit noch größerer Macht tun werden – dass sich die „Art, wie wir waren“, verändert: wenn die Angst vor Terror und Kriminalität weiter wächst, wenn in der Aufgeheiztheit des Wahljahres aus dem Ausland gesteuerte digitale Desinformationskampagnen unsere Wahrnehmung der Realität verändern, wenn Wut und Hass aus unserem Miteinander ein Gegeneinander machen. Wir alle spüren es: 2016 brachte die drückende Schwüle eines vorrevolutionären Abends nach Deutschland.

Es liegt an den Parteien, durch eine Rückkehr zu einer Politik des Maßes und der Mitte zur Beruhigung der Bürger beizutragen. Aber es liegt auch an jedem einzelnen von uns, sich nicht in eine Spirale der Hysterisierung hineinzwingen zu lassen. Das beginnt mit einer sorgsamen Wahl der Worte: Sie sind eine messerscharfe Waffe geworden in einer Zeit, in denen mächtige Kombattanten die (a)sozialen Netzwerke für ihren hybriden Krieg gegen die freien Demokratien missbrauchen. Gleich, was in der Welt geschieht: Wir haben es ein Stück weit auch selbst in der Hand, 2017 zu einem besseren Jahr zu machen – wenn es uns gelingt, die Spaltung unserer Gesellschaft zu stoppen.

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