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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Seehofer greift erneut Söder scharf an

Kommentar: Krieg in der CSU

Es geht um den Kurs in der Flüchtlingspolitik - und um die Frage, wer in der CSU das Sagen hat. Immer heftiger befehden sich der Parteivorsitzende Horst Seehofer und sein Finanzminister Markus Söder.

Nach dem neuesten Eklat im Vorstand von Fraktion und Landesgruppe wächst in der Partei die Sorge vor einem weißblauen Erbfolgekrieg.

Parteitage dienen, gerade vor Wahlen, der elektrostatischen Aufladung von Basis und Wahlvolk. Bei der CSU war es diesmal umgekehrt: Da verteilte Horst Seehofer fleißig Baldriantropfen, um die von seinen Friedenssignalen an die Kanzlerin aufgescheuchten Leute zu beruhigen. Leider hat die sedierende Wirkung nicht lange angehalten. 48 Stunden nach der Heimreise des Parteivolks vom Münchner Konvent ist der Streit zurück. Und zwar giftiger als zuvor.

In Söders Kritik am Annäherungskurs an die CDU und Seehofers unbeherrschter Replik darauf mischen sich, das macht die Sache so brandgefährlich, Sach- und Machtfrage in der CSU: Seehofer, das zeigt sein neuer Ausbruch, hört einfach nicht auf, Söder als seinen Nachfolger fertigzumachen – und Söder revanchiert sich, indem er seinem Parteichef den Rückweg hin zu einer Verständigung mit Angela Merkel im Flüchtlingsstreit abzuschneiden versucht. Das ist aus Sicht der Partei, die sich nichts sehnlicher wünscht als Frieden zwischen ihren beiden herausragenden Exponenten, nicht nur nervig. Das wird, wenn es nicht aufhört, böse enden. Für alle Beteiligten.

Glaubt Seehofer im Ernst, im Hinterzimmer mit einigen Bezirksfürsten Söder ausbooten zu können? Dann kennt er seine Partei schlecht. Die hat noch keinem ihrer Chefs erlaubt, sich seinen Nachfolger auszusuchen, nicht Waigel, nicht Stoiber, nicht Huber. Ihre Zukunft wählt die CSU noch immer selbst – und vor allem gestattet sie der Vergangenheit nicht, die Zukunft zu töten. Seehofers Plan, seinen Rivalen 2017 nach Berlin zu schicken, um ihm die Schuld für das absehbare Wahldesaster wie einen Mühlstein umzuhängen, ist allzu durchsichtig. Umgekehrt könnte auch Söder, widersetzte er sich und käme es zum weißblauen Erbfolgekrieg, das Schlachtfeld kaum als strahlender Sieger verlassen: Er wäre dann Chef einer zerrissenen Partei. Eigentlich ist alles ganz einfach: Die beiden Alphatiere außer Rand und Band müssten sich zusammenraufen. Wenn sie das, weil zu Todfeinden geworden, nicht mehr schaffen, wird die CSU 2018 als Bayerns Staatspartei abdanken.

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