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Mike Schier.

Richtige Maßnahmen

Kommentar zum Nahverkehr: Spätes Erwachen

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Jahrelang herrschte bei den Investitionen im öffentlichen Nahverkehr Stillstand. Jetzt kommt es zum späten Erwachen, kommentiert Merkur-Redakteur Mike Schier.

München - Es hat lange gebraucht: Erst die ultimative Drohung mit gerichtlich erzwungenen Fahrverboten für Diesel-Fahrzeuge hat die Staatsregierung zu einem Umdenken in ihrer Verkehrspolitik gebracht. Schon klar: Der öffentliche Nahverkehr wurde in den Sonntagsreden immer artig gepriesen, tatsächlich aber herrschte jahrelang Stillstand. Mehr noch: Klammheimlich fuhr man die finanzielle Förderung durch den Freistaat zurück, beispielsweise bei Anschaffungen für U-Bahn-Wagen. Jetzt, da Pendlern aus dem Münchner Umland im Wahljahr der Schock droht und die Autoindustrie Alarm schlägt, bricht Hektik aus.

Die Maßnahmen sind richtig, kommen aber viel zu spät. An den überschrittenen Grenzwerten, die die Staatsregierung den Bürgern wochenlang bewusst verheimlicht hatte, werden sie so schnell nichts ändern. Man hätte früher aktiv werden müssen: Seit Jahren werden die Wachstumsprognosen für den Großraum München ständig nach oben korrigiert. Der Planungsverband hat errechnet, dass zwischen 2005 und 2015 die Einwohnerzahl in der Region um 11,6 Prozent gewachsen ist – die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aber doppelt so stark (23,9 Prozent). Die daraus resultierende Wohnungsnot wird dauernd thematisiert, wesentlich seltener geht es um den immens gestiegenen Bedarf an Verkehrsinfrastruktur.

Immerhin hat die Staatsregierung nach jahrelangem Poker nun den Bau der zweiten Stammstrecke auf den Weg gebracht. Doch weiter fehlt ein schlüssiges Gesamtkonzept für den Großraum, stattdessen herrscht Klein-Klein. Ein Beispiel: In den neuen Stadtteil Freiham will München neben der S-Bahn statt einer U-Bahn die langsamere Tram bauen. Pendler aus dem Westen ans andere Ende der Stadt zwingt man so doch wieder ins Auto.

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