Wirbel um von der Leyen

Kommentar zum Sex-Symposium: Eine Frage der Prioritäten

München - In Zeiten, die von Truppenbewegungen und verlängerten internationalen Einsätzen geprägt sind, lenkt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Aufmerksamkeit auf ein Sex-Symposium der Bundeswehr. Falsche Prioritäten, sagt unser Autor. Ein Kommentar.

Es ist keineswegs falsch, sich darum zu kümmern, dass zum Beispiel Homosexuelle in der Bundeswehr nicht diskriminiert werden. Eine moderne Armee, die in der Mitte einer Gesellschaft verankert sein soll, muss intern vorurteilsfrei arbeiten. Das ist ein Teilaspekt der Führungskultur. Trotzdem lenkt Verteidigungsministerin von der Leyen schon arg viel Aufmerksamkeit auf diese Frage, wenn sie bald zum großen Symposium mit gut 200 Gästen über „sexuelle Identitäten“ in der Armee lädt.

Was für eine Schieflage in der öffentlichen Wahrnehmung! Das Parlament hat eben, ohne viel Aufmerksamkeit, den gefährlichen Mali-Einsatz verlängert. Durch Deutschland zieht in diesen Tagen die größte Truppenbewegung seit dem Kalten Krieg, tausende US-Soldaten rücken ein, um Osteuropa zu sichern. Die Bundeswehr entsendet 500 Soldaten und 200 Militärfahrzeuge, um ein Nato-Bataillon in Litauen anzuführen. Ganz Europa berät über eine Wende bei den Verteidigungsausgaben und über Bedrohungen der Zukunft. Wie wär’s, wenn wir darüber mal ein wenig mehr debattieren?

Von der Leyen, CDU, mag Gründe haben, sich so gern gegen gängige Verteidigungs-Klischees zu profilieren. Verständnis für zentrale Belange der Sicherheitspolitik wird aber erschwert durch eine Ministerin, die in der Außendarstellung die falschen Prioritäten setzt.

Christian Deutschländer

Rubriklistenbild: © Haag

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