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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Kein offizieller Rede-Bann für Erdogans Minister

Kommentar: Schlau in Berlin

Merkel lässt Erdogans Nazi-Vergleich zurückweisen, will aber kein Auftrittsverbot für türkische Minister in Deutschland. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Ob das die klare Antwort ist, die sich viele Bundesbürger an die Adresse Ankaras gewünscht hatten? Die Kanzlerin lässt Erdogans unsäglichen Nazi-Vergleich von ihrem Sprecher „entschieden“ zurückweisen – aber dem vom niederländischen Premier Rutte ausgesprochenen Auftrittsverbot für türkische Minister auf westeuropäischem Boden will sich Angela Merkel lieber nicht anschließen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Schläue,  wenn Berlin angesichts der beispiellosen Zerrüttung des deutsch-türkischen Verhältnisses jetzt kein weiteres Öl ins Feuer gießt (und die Verbote lieber den Ordnungsämtern der Kommunen überlässt). In Deutschland leben drei Millionen Türkischstämmige. Erdogan den hochwillkommenen Vorwand zu liefern, sie – wie angedroht – zum „Aufstand“ anzustacheln, entspricht weder dem vorsichtigen Naturell Merkels noch dem Gebot der politischen Klugheit. Klar ist aber ebenso: Auch die Geduld der Bundesbürger hat Grenzen. Erdogan sollte sie lieber nicht austesten, denn bald schon käme auch die Kanzlerin nicht mehr umhin, Grobheiten und Erpressungen mit Taten zu beantworten – schon um sich nicht zum Gespött der eigenen Wähler zu machen. Nicht nur Erdogan ist im Wahlkampf. Und was den Flüchtlingspakt betrifft: Wichtiger als Merkels Deal mit Erdogan ist die Sperrung der Balkanroute.

Beschämt schweigen sollten derweil die rot-grünen Erdogan-Versteher in Deutschland, die dessen Tollheiten stets damit zu erklären versuchten, dass Berlin Ankara einst den EU-Beitritt versagt habe. Heute muss auch der Begriffsstutzigste kapieren, dass dem Islamisten Erdogan nie wirklich nach Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gelüstete. Der Reformkurs war nur die Tarnung, um unter dem Schutz der EU das Militär zu zerschlagen und die Türkei Stück für Stück in eine nationalreligiöse Diktatur zu verwandeln.

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