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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

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Kommentar zum Terror in Barcelona: Erst Tränen - dann Taten

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Wachsam bleiben, unsere Freiheit verteidigen, mehr Integrationsangebote: Nach dem Terror kommen die Appelle - und oft auch das Verständnis für die schwierige soziale Herkunft der Täter. Die Opfer von Barcelona aber verlangen eine andere Antwort des Staates. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

London. Paris. Nizza. Berlin. Und jetzt: Barcelona: Der Terror schlägt nicht wahllos zu. Es sind die glamourösen Ikonen westlicher Kultur und Lebensart, von der sich Islamisten auf perverse Art angezogen fühlen. Die katalanische Schöne, Spaniens Stolz und Europas Liebling, war, so zynisch es klingt, das logische nächste Anschlagsziel. Viele ahnten es – und doch konnte keiner das Leben jener 13 Menschen retten, die am Donnerstagnachmittag zur falschen Zeit an einem Ort waren, der sich doch so richtig anfühlte: auf den Ramblas, dem pulsierenden Herz der lebenslustigen Mittelmeer-Metropole.

Das Schicksal der Stadt geht vielen Europäern, die Barcelona kennen- und lieben gelernt haben, nahe. Für sie fühlt es sich an, als habe der Terror vor ihrer Haustüre zugeschlagen.Und wieder mischen sich in die Tränen um die Opfer die unvermeidlichen Appelle: wachsam bleiben. Sich dem Terror nicht beugen. Unsere Freiheit verteidigen. All das ist richtig. Und kann doch nur ein Teil der Antwort auf die Blutspur sein, die Mörder durch unser Leben legen. Der andere lautet: Wir müssen den Krieg gegen den Terror endlich mit der Entschlossenheit führen, die nötig ist, um ihn am Ende zu gewinnen.

Spaniens Sicherheitsbehörden gelten seit dem Kampf gegen die baskische Eta als gut organisiert und schlagkräftig. Aber zur Wahrheit gehört leider auch, dass Regierung, Behörden und Gesellschaft, was die islamistische Gefahr angeht, bis zum Anschlag auf den Atocha-Bahnhof in Madrid vor zehn Jahren zu sorglos waren: Der Staat hat aus falsch verstandener Toleranz zugelassen, dass der neben den Ramblas gelegene Stadtteil „El Raval“ zu einem Tummelplatz für Kriminelle aus dem benachbarten Maghreb wurden, zu einer verlotterten No-go-Area, vor deren nächtlichem Betreten Touristen in jedem Reiseführer gewarnt werden. Er hat zu lange geduldet, dass Hassprediger in den Moscheegemeinden zur Gewalt gegen die „Ungläubigen“ aufriefen, dass – gerade in Barcelona – blühende islamistische Biotope wuchern und gut vernetzte Zellen entstehen konnten. Doch statt den Verführern und ihrer Mordideologie den Kampf anzusagen, bejammern jetzt dieselben Stimmen, die uns immer Toleranz für Intoleranz predigten, die schwierige soziale Herkunft der Täter, die doch zu nichts anderem führen könne als zu Terror.

Falsch! Wenn wir uns nicht selbst terrorisieren lassen wollen, müssen wir die Terroristen terrorisieren: indem wir sie in ihren Schlupfwinkeln in den Moscheegemeinden aufspüren. Hassprediger ausweisen. Imame aus Terrorpaten-Staaten wie Katar nicht mehr bei uns dulden.  Gefährder in Vorbeugehaft nehmen, wo immer das möglich ist. Indem wir muslimische Gemeinden auf den gemeinsamen Kampf gegen den Dschihadismus verpflichten. Was es braucht, sind Integrationsangebote. Aber dort, wo diese versagen, eben auch staatliche Repression und hoher polizeilicher Ermittlungsdruck. In Deutschland mit seinen schnell wachsenden urbanen Problemvierteln hat sich diese Erkenntnis leider noch nicht in allen Bundesländern durchgesetzt, wie die Erfahrungen aus den zurückliegenden Anschlägen zeigen. Berlin und Bremen verzichten bis heute generös auf Schleierfahnder. Ihre Sicherheitsapparate sind in einem Zustand, der jeder Beschreibung spottet. Wir brauchen keine neuen Gesetze. Aber die konsequente Anwendung bestehender. Und mehr Geld und bessere Ausrüstung für die Polizei. Dann – und nur dann – muss uns im Kampf gegen den Terror nicht bange sein.

Lesen Sie hier unseren News-Ticker zum Terror in Barcelona

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