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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

„Ein Glücksfall für die Republik“

Kommentar zum Tod von Helmut Kohl: Er war ein Titan

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Zum Tod von Helmut Kohl schreibt Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Die Nachricht vom Tode Helmut Kohls war lange erwartet worden. Sie traf die Republik am späten Freitagnachmittag nicht unvorbereitet. Und dann doch mit einer Wucht, die das Land nur in jenen seltenen Momenten erschüttert, wenn ein Titan fällt.

Und Helmut Kohl, der Alte aus Oggersheim, war ein Titan - ablesbar an der Vehemenz, mit der ihn Zeit seines Lebens die politischen Gegner herabzusetzen versuchten, noch mehr aber an der Verbissenheit, mit der die eigene Partei nach dem Spendenskandal sein Wirken in der CDU auszuradieren trachtete. Doch so sehr Angela Merkel die CDU auch zu ent-kohlifizieren versuchte: Die Partei blieb immer auch die ihres Vorgängers, des Kanzlers der Einheit. Und so wird es bleiben. An ihm wird sich Merkel dereinst in den Geschichtsbüchern messen lassen müssen. Übrigens auch an seinen 48,6 Prozent bei der Bundestagswahlwahl 1976, als die CDU noch das halbe Wahlvolk hinter sich zu scharen vermochte - und Kohl dennoch die Kanzlerschaft verwehrt blieb, weil die FDP (noch) treu an der Seite der SPD ausharrte.

Kohls 16-jährige Amtszeit war, ungeachtet ihres wenig ruhmreichen Endes und der dunklen Schatten, die später sein Ehrenwort in der Spendenaffäre warf, eine glückliche Zeit für Deutschland und für Europa. Eine Zeit, die in der Deutschen Einheit 1990 ihren Höhepunkt und ihr historisches Symbol fand. Von seiner Kunst, im vereinigten Europa immer auch die kleineren Länder mitzunehmen und Gräben zuzuschütten, könnte sich in der EU heute mancher im Kreis der Mächtigen eine Scheibe abschneiden.

Es stimmt ja: Helmut Kohl konnte von nervtötender Selbstgerechtigkeit sein, von einer verstörenden Machtarroganz, die ihn sein Ehrenwort über das Grundgesetz stellen ließ. Und trotzdem war er für die Republik ein Glücksfall, ein Instinktpolitiker, der zur rechten Zeit einen Zipfel des Mantels der Geschichte zu fassen bekam – und ihn mit pfälzischer Dickköpfigkeit festhielt. Deutschland trauert um einen großen Patrioten. Und Europa um einen seiner Väter.

Hier gelangen Sie zum News-Ticker, in dem wir die Reaktionen auf den Tod von Helmut Kohl sammeln

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