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MM-Redakteur Christian Deutschländer

Kommentar

Versöhnungsgipfel der Union: Ein riskantes Manöver

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München - Am Montag müssen Horst Seehofer und Angela Merkel so tun, als wären sie enge Freunde. Sie sind Profis, es wird ihnen gelingen. Aber bizarr ist diese Inszenierung schon.

Das Ausrufen einer eben noch mit aller Macht eingebremsten Kanzlerin zur Unions-Kandidatin kommt kaum glaubwürdig daher. Nicht die Richtung, aber ihr Tempo ist vor allem für die CSU riskant. Erheblichen Teilen der Basis hat sich nicht erschlossen, warum Merkel wieder die gemeinsame Heldin sein soll. Da geht es nicht um ein paar Facebook-Krakeler, sondern um tiefe Verunsicherung. Zu viel Vertrauen ging durch die polarisierende Flüchtlingspolitik verloren. Die Kanzlerin zeigte ihren Kritikern kaum Entgegenkommen. Ihre Politik hat sie in Teilen leise geändert, aber öffentlich lässt sie das so wirken, als habe sie Seehofers Zorn einfach ausgesessen.

Ja, rational betrachtet: Ewig fortzusetzen war der Unions-Streit nicht. Die Kritik der CSU, die zur Politikwende führte, nutzt sich ab. Doch vor diesem Münchner Versöhnungsgipfel passt die Orchestrierung auch in der CSU nicht. Als Seehofer die Merkel-Politik 2015/16 so scharf anging, waren immer auch die Barbara Stamms und Gerd Müllers öffentlich präsent. Sie sprachen jene Wähler an, die mit der Willkommenskultur einverstandener waren. Jetzt wäre es hilfreich, wenn in der CSU auch ein, zwei kantige Merkel-Kritiker präsent wären, um jenen in der Partei eine Stimme zu geben, denen das alles zu schnell geht. Markus Söder zum Beispiel? Schweigt, ohrenbetäubend. Und vermutlich genüsslich.

Zu Beginn des Wahljahres bräuchte die Union Bindekraft und Begeisterung. Beides fehlt. Wahlkampf wird schwierig, wenn noch nicht mal die eigene Kernbasis einig ist, wen sie plakatieren mag. Wenn selbst die Unions-Parteistrategen Dissens haben, wo der Hauptgegner sitzt (Rot? Grün? Rot-Rot-Grün?) All das zu reparieren, ist nicht unmöglich – aber schwer mit einer so kühlen Kandidatin und in einem derart engen Zeitfenster.

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