Kommentar

Realo-Initiative der bayerischen AfD: Zu späte Einsicht

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Mitglieder der AfD haben wenige Monate vor der Bundestagswahl die „Alternative Mitte“ aus der Taufe gehoben. Doch dieser Schritt wird am Bild der Partei nicht so schnell etwas ändern. Merkur-Redakteur Sebastian Dorn kommentiert.

München - Lange sah es so aus, als sei der Realo-Flügel in der AfD die schweigende Minderheit. Eine Gruppe, die billigend hinnimmt, dass die Partei immer weiter nach rechts rückt und dort mit trauriger Regelmäßigkeit rote Linien überschreitet.

Björn Höckes Holocaust-Rede - ohne große Konsequenzen. André Poggenburgs „Deutschland den Deutschen“-Zitat - kleingeredet. Intern tobt zwar der Machtkampf, in der Führungsebene gibt es Rücktritte und Austritte. Aber keine öffentlichen Widerworte. Bis jetzt.

Rekord-Mitgliederzuwachs bei der AfD - trotz aller Skandale

Erster Schritt zur Abgrenzung von Nazi-Sympathisanten

Die Gründung der „Alternativen Mitte“ innerhalb der bayerischen AfD ist der erste Schritt, sich von den Nazi-Sympathisanten abzugrenzen. Doch es gibt Hintergedanken: Die Distanzierung ist der verzweifelte Versuch, das Fallen der Umfragewerte zu stoppen. Laut einer parteiinternen Studie sehen 86 Prozent der Deutschen die AfD als rechtsradikale (und damit unwählbare) Partei. Dieses Bild soll korrigiert werden.

Nur: Die Initiative kommt zu spät, denn inhaltlich wird sich bis zur Wahl nichts mehr ändern. Die stramm-rechte Liste steht und die Radikalen haben das Sagen. Für eine ehrliche Abgrenzung bräuchte es eine erneute Spaltung. Denn in der heutigen AfD bleiben die gemäßigten Rechten die Minderheit.

AfD prüft Klage gegen Ehe für alle

Sebastian Dorn

Rubriklistenbild: © Lippert

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