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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Sie denkt übers Aufhören nach

Kommentar zur AfD-Chefin: Das ist Petrys Alternative

Eine Rücktrittsdrohung zur rechten Zeit kann Wunder bewirken. Vor dem Parteitag spannt Frauke Petry ihre AfD auf die Folter. Eine Warnung mit Kalkül, meinte Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Es gehört zu den Gemeinplätzen des politischen Betriebs, dass es auch ein Leben außerhalb der „res publica“, des Dienstes an der öffentlichen Sache, gibt. Wer mit seinem Ausstieg aus der Politik öffentlich kokettiert, stellt aber meist keine philosophischen Betrachtungen an. Er will – wie CSU-Chef Horst Seehofer – entweder Wähler und Parteifreunde darüber in die Irre führen, wie sehr er in Wahrheit doch an seinem Posten und seiner Wichtigkeit klebt. Oder er will wie Frauke Petry der eigenen Partei das Messer an die Kehle setzen.

Petry hat den Zeitpunkt ihres öffentlichen Nachdenkens über ihre ganz private Alternative zur AfD geschickt gewählt. Nach der herben Wahlenttäuschung an der Saar blickt die noch vor wenigen Wochen bei bundesweit 15 Prozent gehandelte Partei in den Abgrund; selbst die Fünf-Prozent-Hürde könnte in den westlichen Bundesländern rasch bedrohlich nahe rücken, wenn sich die Selbstradikalisierung der Partei fortsetzt und die AfD nach ihrem zentralen Thema – der sich entspannenden Flüchtlingskrise – auch noch ihr wichtigstes Gesicht verliert. Wie entscheidend ein zugkräftiger Spitzenkandidat ist, führt Martin Schulz gerade für die SPD vor Augen.

Mit den rechten Scharfmachern aus dem Osten, den Höckes und den Poggenburgs, macht die AfD westlich der Elbe keinen Stich. Die Drohung der selbstbewussten Parteichefin führt der AfD sehr klar die Alternative vor Augen: Sie kann, unter Petrys (alleiniger) Führung, in den Wahlkampf ziehen und ihren Platz im demokratischen Spektrum suchen. Oder sie kann ihren Dämonen folgen und den Republikanern und der NPD alsbald in die Bedeutungslosigkeit hinterherstolpern.

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