Bayern-SPD im Sturzflug

Kommentar: Zeit für die Reißleine

München - Eigentlich müsste man jetzt die Reißleine ziehen. Es ist zwar nicht klar, ob der Falschschirm aufgehen würde. Aber was soll man machen, einfach weiterfallen? Ein Kommentar zur Lage der SPD in Bayern.

In der Bayern-SPD muss man dieser Tage feststellen, dass der Absturz in der Wählerzustimmung auch bei weit unter 20 Prozent nicht endet. Die Reißleine zieht man in der Politik beim Personal. Der Rückzug von Landeschef Florian Pronold wäre überfällig. Schon lange zeichnet sich ab, dass der fleißige, aber wenig beliebte Bundesbaustaatssekretär das Ruder nicht rumreißen wird. Der internen Klatsche, bei dem ihm ein Drittel der Partei die Wiederwahl verweigerte, folgte nun die Abreibung durchs Wahlvolk: 14 Prozent Zustimmung – Negativrekord. Der Hinweis auf den Bundestrend ist berechtigt, wirkt aber wie eine Ausrede. Die SPD hat ja in bayerischen Kommunen immer wieder Erfolge – mit starken Kandidaten. Dieses Potenzial schöpft die Partei bei wichtigen Wahlen nicht aus. Zudem ist Pronold als Regierungsmitglied im Bund ja kein Unbeteiligter.

Das Problem: In diesem Jahr soll der Niederbayer die Bayern-SPD in die Bundestagswahl führen. Demontierte man ihn vorher, wer sollte ihn dann noch wählen? Die Partei steckt im Dilemma: Noch ein letztes Mal Durchwursteln mit Pronold? Oder ein Neuanfang mit Verwerfungen? Es wäre ein Versuch. Was soll man sonst machen?

Rubriklistenbild: © Haag

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