Ex-SPD-Chef gibt Bundestagswahl verloren

Kommentar: Gabriels Foulspiel

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Die SPD lässt nichts unversucht, um ihr Bundestagswahlergebnis noch weiter zu drücken: Drei Wochen vor dem Urnengang gibt Außenminister Sigmar Gabriel die Wahl verloren. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis. 

Ein großes Geheimnis hat Sigmar Gabriel nicht ausgeplaudert, als er jetzt dem „Spiegel“ anvertraute, dass seine SPD bei der Bundestagswahl in drei Wochen wohl nur als zweiter Sieger durchs Ziel laufen wird. Doch kam die Gemeinheit so hinterfotzig daher, dass die Partei einen Tag brauchte, um ihre Ungeheuerlichkeit zu verstehen: In einem Nebensatz mal eben den Kanzlerkandidaten Schulz zu beerdigen, und das wenige Tage vor dem wichtigen TV-Duell mit Angela Merkel – das muss man sich erst mal trauen. Man sieht sie schon vor sich, die feixenden Gesichter der Konkurrenz, wenn Martin Schulz demnächst mit geröteten Wangen wieder sein Ich-werde-Bundeskanzler-der-Bundesrepublik-Deutschland-Mantra herunterbetet.

Auch wenn anderntags alles nicht mehr so gemeint war: Gabriel hat seinen unermüdlich rackernden Parteichef damit der Lächerlichkeit preisgegeben. Wer so spricht, hält sich insgeheim noch immer für den eigentlichen Vorsitzenden. Mag ja sein, dass der fast 58-Jährige im Amt des Bundesaußenministers an Ansehen gewonnen hat – aber wer seinem in der Partei beliebten Frontmann so ins Kreuz tritt, darf kaum darauf hoffen, von den Genossen nochmal als Retter gerufen zu werden. Wahrscheinlich selbst dann nicht, falls es mit Schulz zu dem befürchteten Wahldebakel für die Genossen kommt und die enttäuschte Basis eine Neuauflage der Großen Koalition durchkreuzt. Die SPD steht dann vor der Frage, ob der 62-jährige Schulz, der bei der nächsten Wahl fast 66 sein wird, glaubwürdig die Rolle des Oppositionsführers und Kanzlers im Wartestand übernehmen kann. Oder ob dann wer anders kommt. Jemand, der eher Andrea Nahles als Sigmar Gabriel heißt.

Gewollt oder ungewollt: Es sind solche Fragen, auf die Gabriels Foulspiel den Blick lenkt. Vielleicht hatte die Kanzlerin ja das im Blick, als sie den verblüfften Journalisten in der Bundespressekonferenz mit treuherzigem Augenaufschlag versicherte, diesen Wahlkampf „spannend“ zu finden.

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