Scherbengericht in der CSU

Kommentar zur CSU: Ein gefährliches Patt

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Die CSU wirkt nach der Bundestagswahl schwer angeschlagen, vor allem Horst Seehofer wirkt angezählt und scheint nur noch Chef auf Bewährung zu sein. Ein Kommentar von Christian Deutschländer. 

Die Union erlebt unter den staunenden Augen der Öffentlichkeit zwei Formen des Umgangs mit einer Wahlniederlage. Der CDU-Mittelbau mümmelt all seinen Merkel-Frust still in sich hinein. Die CSU tobt ihren Zorn am Vorsitzenden Seehofer aus, allerlei Hinterbänkler fordern seinen Rücktritt und sichern sich so zwei Minuten TV-Präsenz. Schwer zu sagen, was auf längere Sicht davon die sinnreichere Taktik ist. Kurzfristig ist die CSU allerdings mit Blick auf die Lage in Berlin gut beraten, die offene Feldschlacht zu vertagen.

Gerettet ist Horst Seehofer nach der gestrigen Fraktionssitzung nicht. Die Kritiker dämmte er nicht aus eigener Stärke ein – die ist derzeit politisch und wohl auch physisch erheblich angekratzt – sondern mit der Hilfe fast des kompletten CSU-Establishments. Es zeichnet sich eine Art Patt ab: Parteigrößen wie Seehofer, Stamm, Aigner, Weber, Dobrindt auf der einen Seite; der bestens verdrahtete, aber nicht zum Sprung entschlossene Markus Söder auf der anderen. Ein Putsch in dieser Lage wäre zwar möglich, würde die CSU aber zerreißen.

Seehofer ist nun Chef auf Bewährung, bis zum November-Parteitag. Er muss möglichst viel in Berlin rausverhandeln, soll in München neue Impulse mit einer Landesregierung aus einer trägen Fraktion und einem nur bedingt loyalen Kabinett entwickeln und gleichzeitig die Parteibasis bereisen und befrieden. Das ist ein mörderisches Programm für sieben Wochen. Seehofer ahnt: Seine Gegner stürzen ihn nicht. Sie warten, ob er stürzt.

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